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[TXT] Snorr - Die Smellcard
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Der Archivar



Beiträge: 160

Titel: [TXT] Snorr - Die Smellcard
Verfasst am: Mo, 04 Apr 2011, 17:19
Beitrag
Antworten mit Zitat

Autor: Snorr
Dateidatum: 14.8.2004

Code:
DIE SMELLCARD

Es war still, so wunderbar still, ein Frieden, der nur von dem Rattern der
Armageddon-Laufwerke unterbrochen wurde, der Irre aus Muenchen rief wieder in
der Box an um schlechte Texte abzusaugen. Der abrupte Stop dieses wunderbaren
Geraeuschs eines fehlerlos funktionierenden Armageddons und eine sanfte
Stimme \"Beim naechsten Guru ist es 11 Uhr, 59 Minuten und 00 Sekunden...\"
brachten mich um meinen Schlaf in die ekelerregende Wirklichkeit zurueck. Die
Wirklichkeit war eine abgerissene Redaktion in dem besten Slum im Koelner
Umkreis, die grelle Sonne stach in meine wunden Augen, ich grabschte nach
meiner voll verspiegelten maennlichen Sonnenbrille, \"Beim naechsten Guru ist
es 11 Uhr, 59 Minuten und 15 Sekunden\", setzte sie auf und schrie entsetzt
\"KAFFEE!!!!\"
  Anstatt meinen menschlichen Beduerfnissen sofort nachzukommen, wie ich es
noch von zu Hause gewohnt war (bevor ich rausflog, weil meinen Eltern meine
Verbindung zum PM-Magazin ruchbar gemacht wurde), verschwand S.L. auf dem
einzigen Klo und schloss sich dort ein. \"Beim naechsten Guru ist es 10 Uhr,
4 Minuten und 30 Sekunden\" Sammy bedauerte noch seinen Einfall mit dem
billigen Sake gestern, bedauerte ferner seinen Einfall mit dem billigen
Computer, \"Beim naechsten Guru ist es 11 Uhr, 59 Minuten und 45 Sekunden\",
und ueberhaupt den Einfall mit den billigen Mitarbeitern. Waehrend er noch
fluchend den Armageddon abschaltete (\"Immerhin weiss Bitcrack jetzt, wieviel
Uhr es ist\") und ein paar leere Sakeflaschen aus dem Fensterloch warf,
gesellte sich zum andauernden gleichmaessigen Gurgeln der Klospuelung noch
ein forderndes Klingeln.
  \"Hey Snorr, wimmle DU den Gerichtsvollzieher ab, ICH mache Kaffee.\"
  Eigentlich war ja er dran, aber in meiner Abhaengigkeit und angesichts
meines angeschlagenen Zustandes ueberwand ich mich und das Geruempel hier und
begab mich zur Haustuer, im inneren meinen persoenlichen Mut und
Einsatzbereitschaft bewundernd oeffnete ich sie einen Spalt und fragte
\"ja...?\"
  Dem Brieftraeger schien es richtig peinlich zu sein: \"Wissen sie\", nervoes
schaute er sich um, sah aber nur einen bewusstlosen Geschaeftsmann in einem
Scherbenhaufen liegend, \"ich mag ihr Magazin, und wenn sie wollen, koennen
wir die Sache einfach vergessen. Ich nehm\'s wieder mit und schreibe
\'Unbekannt verzogen\' drauf.\"
  Ich muss wohl immernoch von Sammy\'s Gesoeff unzurechnungsfaehig gewesen
sein und hoerte nur \"ich MAG ihr Magazin\", jedenfalls streckte ich mit einem
fatalistischen \"wasissnlos?\" meine unbefleckte Hand hin und hielt natuerlich
sekundenbruchteile spaeter ein schwarzes Paeckchen in derselben, natuerlich
stand \"Subversive Software\" in silberner Fraktalschrift drauf, natuerlich hat
sich der Brieftraeger sofort abgesetzt, natuerlich bin ich abgrundtief
daemlich.
  Gerueche von schwarzem Teer mit Erbrochenen durchzog die Redaktion, Sammy
sass befriedigt mit einem kochenden Pott Kaffee vor dem Armageddon und kippte
gerade eine Tasse davon in die Tastatur, wo er zischend unter gruenen
Dampfwoelkchen versickerte.
  \"Wir haben ein Paeckchen bekommen.\"
  \"Mach es auf.\"
  \"Es ist von Subversive Software.\"
  \"Schmeiss es weg.\"
  Schlagartig verstummte das Gurgeln auf dem Klo, aber wir brachen die Tuer
zu spaet auf, S.L. war verschwunden. Wir legten eine Schweigeminute ein, dann
noch eine, aber es half nichts, als wir in die Redaktion zurueck kamen, lag
das Paeckchen immernoch da.
  Wiedereinmal waren wir die Retter des Abendlandes, todesmutige Tester neuer
Produkte und Bewahrer des PM-Magazins als letztes Bollwerk gegen schlechte
Messages, als wir den umgeruesteten Bunker aus dem zweiten Weltkrieg
betraten, waehrend Sammy noch das Paeckchen in den Testraum neben dem dort
endgelagerten Hart 2000e ablegte, gab ich Alarm und die schweren Stahlschotts
zum Druckausgleich oeffneten sich zur Strasse hin, rote Laempchen blinkten
als kleine Geste an die allgemeine Dramatik, Sammy schmiss die Schleuse zu
und verriegelte sie sorgfaeltig. Auf einem Monitor erschien jetzt in
schlechter S/W-Aufloesung das Paeckchen in dem Betonbunker, das irgendwie ein
kleiner Bruder des Hart 2000e zu sein schien, mit den beiden
Robotergreifarmen zog ich den Ring, es folgte der erwartete Knall, ein Blitz,
das Rumpeln der entweichenden Druckwelle und ein paar Schreie von der
Strasse, danach lag es vor uns, A GREAT NEW PRODUCT FROM SUBVERSIVE SOFTWARE,
der Hart 2000e klappte dazu noch willig seine Tastatur aus.
  Warum versuchen sie bloss uns umzubringen?
  Auf jeden Fall hatten sie wieder eine Marktluecke entdeckt.

JEDER USER, DER SEINE SIEBEN SINNE BEISAMMEN HAT, WIRD SICH DIESER SINNVOLLEN
ERWEITERUNGSKARTE VON SUBVERSIVE SOFTWARE, DER SINNLICHSTEN FIRMA DER
GALAXIS, NICHT VERWEIGERN! DIE ULTIMATE ANSCHAFFUNG FUeR DEN DRITTEN SINN,
DIE SMELLCARD!!! RIECHEN SIE, WAS SIE BIS JETZT NUR ZU TRAEUMEN WAGTEN, DIE
EXQUISITESTEN UND EXOTISCHSTEN DUEFTE JETZT AUCH FUER IHREN PC/WC/ET!!!!!

Mir stank die Sache, waehrend Sammy das Ding, dem Handbuch gemaess in den
Slot am Ventilator, in unseren neuen PC steckte. Ein Fehler, den wir noch
bitter bereuen sollten. Schon beim Einschalten des PCs wehte uns ein Hauch
von 4711 echt koelnisch Wasser um die geroeteten Nasen, im Handbuch (\"echt
harmlos, da aus Papier\") stand, dass sich auf der Smellcard ein modifiziertes
BIOS befindet und wir ueber ein Menue, aufzurufen mit
ESC-CTRL-ALT-DEL-Klammeraffe, zwischen mehreren Parfums waehlen koennen, oder
ob der PC sich beim Booten geruchsneutral verhalten (\"hidden mode\") soll.
  Subversive Software bedauert natuerlich aufrichtig, dass sich die Smellcard
noch nicht als Standard durchgesetzt hat, und die meisten Programme, wie z.B.
Koitus 1-2-3, die Smellcard nicht unterstuetzen, was aber nebensaechlich ist,
denn diese Programme kommen auch nicht von Subversive Software. Als Ausgleich
hat man der Smellcard einige Demos beigelegt, so war die Porno-Diashow mit
der Smellcard so intensiv, dass ich Sammy nur muehsam das Telephon entreissen
konnte, von wo er den \"Club Diana\" zu erreichen suchte.
  Nicht so aufregend, aber dennoch sinnlich war auch noch \"Essen wie Gott in
Frankreich\", was in uns ein unbefriedigtes Gefuehl angesichts der Frittenbude
um die Ecke hinterliess, waehrend uns immer wieder zu den digitalisierten
Speisen auf dem Bildschirm ein Hauch dieser Koestlichkeiten durch die Nase um
unsere Gaumen kitzelte.
  Am interessantesten schien uns jedoch die mitgelieferte Utility \"Smelltalk\"
zu sein, welche nicht nur erlaubt, digitalisierte Gerueche von der Diskette
zu laden, Subversive Software will spaeter noch Erweiterungsdisketten zu
verschiedenen Themenkreisen wie z.B. \"WC-Reiniger des ausgehenden
19.Jahrhunderts\"  rausbringen, sondern auch das Kreieren und Speichern
eigener Versuche. Ich lud diesen Programmteil durch und haemmerte noch kurz
aber episch auf die Tastatur, bevor Sammy mich in besagte Frittenbude
abschleppte.
  Bei der Rueckehr erkannte ich meinen kleinen Fehler angesichts eines
heulenden Hundemobs vor unserem Fenster, das gluecklicherweise im ersten
Stock lag. Mindestens 50 dieser laermenden Toelen, die ich innerlich schon
auf Versuchstier aburteilte, versuchten unserere Redaktion zu stuermen,
waehrend uns zwei Gyros von der Arbeit abgehalten haben. Irgendwas schien sie
immer weiter anzutreiben, und weitere rannten herbei, klaefften schliesslich
auch uns an, obwohl Mitarbeiter des PM-Magazins von Natur aus unschuldig
sind. Wir versuchten durch den Hintereingang um uns tretend und fluchend die
Redaktion zu erreichen, die Viecher hasteten an uns vorbei, dann die Treppe
rauf, wir hinterher, zu spaet, ein weiterer Haufen umsprang wie tollwuetig
den PC, besprang ihn, versuchten ihre Nasen in den Ventilator zu schieben,
was ihnen auch gelang, um dann mit blutigen Schnauzen weiter heulend
rumzuspringen. Eine wahnsinnig bloede Szene, aber ich wusste was zu tun ist,
ich schnappte mir das Handbuch, Sammy suchte die Hunde mittels eines schweren
Holzstuhls zu beruhigen, aus dem Handbuch fiel eine Diskette mit der
Aufschrift \"Streng Geheim\" und \"Subversive Software Export\", ich steckte sie
ins Laufwerk, Mistgebelle, ein Direktory erbrachte allerlei seltsame Namen
(\"DDT.sml\", \"Gelbkreuz.sml\", \"Agent-Orange.sml\", usw.) ich versuchte es
nochmal mit der Handeinstellung, es schien die Meute nur noch rasender zu
machen, jetzt versuchten sie auch noch Sammy zu essen, verdammt zaeh der
Junge, ich lud \"Tabun.sml\", hoerte sich gut an.

  War auch gut.
  Wie sie mir spaeter auf der Intensivstation erklaerten, haben sie uns mit
schwerem Atemgeraet aus einem Haufen toter Hunde rausgeholt.
  Nett.

Subversive Software will uebrigens, neben weiteren realitaetsnahen
Simulationen, fuer die Smellcard ein Geruchsorientiertes Betriebssystem auf
den Markt bringen.

(c) by SNORR

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