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Elfriede Jelinek - Die Klavierspielerin
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boris



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Titel: Elfriede Jelinek - Die Klavierspielerin
Verfasst am: Di, 17 Mai 2016, 18:30
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Elfriede Jelinek - Die Klavierspielerin

Elfriede Jelinek, Literaturnobelpreisträgerin (2004), 2001 wurde das Buch von Michael Haneke verfilmt.

Story: Erika Kohut ist Mitte Dreißig, Klavierlehrerin und nicht gerade gesellschaftsfähig. Sie verletzt sich oft selbst und lebt allein mit ihrer Mutter, die ihre Tochter vollständig unter Kontrolle hält. Trotzdem schafft es einer ihrer Schüler, sich ihr zu nähern und versucht, eine Liebesbeziehung mit ihr zu beginnen. Erika schreibt ihm einen Brief, worin sie sadistische Praktiken von ihm verlangt, doch zunächst wendet sich der Schüler wieder von ihr ab.

Zuerst das positive: Im ersten Teil ist die Beziehung von Mutter zu Tochter einfach grandios dargestellt. Die ganze kleinen Verletzungen und Winkelzüge der Kontrolle, die die Mutter ausübt, um das komplette Leben ihrer Tochter in der Hand zu behalten, sind schon wirklich super gemacht.
Aber: Sprachlich ist das Buch kaum auszuhalten, ich musste mich mehrfach schwer beherrschen, es nicht einfach abzubrechen, so eine Quälerei war es über weite Strecken. Zum einen ist die gesamte Erzählung in der Gegenwart gehalten, zum anderen zwar extrem sezierend erzählt, dadurch aber auch unglaublich kalt. Hinzu kommen abstruse Wort- und Satzkombinationen mit den unmöglichsten Metaphern, die sich teilweise auch noch über mehrere Sätze hinziehen. Heißt es z.B. zuerst "Schwitzend dreht sich Erika in den Nächten auf dem Spieß des Zorns über dem lodernden Feuer der Mutterliebe.", folgt direkt darauf: "Sie wird dabei regelmäßig mit dem duftenden Bratensaft der Musikkunst übergossen."
Ab und zu könnte man so etwas ertragen, aber der gesamte Roman ist nur eine Aneinanderreihung von Hirnfürzen wie "Kaffeefrech sitzt die Mutter in der Wohnküche und träufelt ihre Befehle herum." oder "Erika schüttelt die Perlenschnur eines Laufs aus ihren weißen Blusenmanschetten und ist mit nervöser Eile geladen." - man hätte auch sagen können "Erika läuft eilig", aber das wäre zu einfach gewesen.
Weiter: "Diese beiden Hauptdarsteller wollen nun eine Liebesszene aufführen, ganz unter sich, ohne Statisten, nur der eine Hauptdarsteller, schwer belastet, unter dem anderen Hauptdarsteller." oder "(...) doch Schubert war entschieden kein fertiger Könner, würgt Klemmer eine frisch gefüllte Gedankenwurst zwischen den Zähnen hervor."

Dass es beim Literaturnobelpreis nicht darum geht, lesenwerte Bücher bzw. deren Autoren zu würdigen, habe ich ja schon mehrfach vermutet, hier ein weiterer Beleg dafür.

Fazit: Nur für absolute Masochisten.


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