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Richard Dawkins - Der Gotteswahn
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boris



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Titel: Richard Dawkins - Der Gotteswahn
Verfasst am: Fr, 23 Aug 2019, 08:54
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Richard Dawkins - Der Gotteswahn

Richard Dawkins ist Biologe und liefert mit diesem Buch eine Streitschrift ab: "Religion ist irrational, fortschrittsfeindlich und zerstörerisch.", oder etwas gemäßigter: "Ich bin ein Gegner der Religion. Sie lehrt uns, damit zufrieden zu sein, dass wir die Welt nicht verstehen." Dawkins ist erklärter Atheist und leitet (hauptsächlich anhand der Arbeiten von Darwin, weil es bis heute keine bessere Theorie für die Erklärung der Entstehung der Arten gibt) ab, warum es keinen vernünftigen Grund gibt, an einen Gott zu glauben.
Strukturell geht er so vor, dass er zunächst auf den Begriff der Religion an sich eingeht, dann über die "Gotteshypothese" und "Argumente für die Existenz Gottes" zu seiner Schlussfolgerung "Warum es mit ziemlicher Sicherheit keinen Gott gibt". Das alles ist sehr unterhaltsam geschrieben, an manchen Stellen - bedingt durch die völlige Absurdität mancher religiöser Behauptungen und Dawkins' Antworten darauf - sogar witzig. Es folgt eine Abhandlung über "Die Wurzeln der Religion" und darüber, dass Religion ein Nebenprodukt von etwas anderem sein könnte. Im Anschluss zerlegt er in "Die Wurzeln der Moral: Warum sind wir gut?" den Glauben, dass wir für moralisches Verhalten und Empfinden so etwas wie eine Bibel brauchen (bzw. warum unsere Moral eben nicht aus der Bibel stammt, wie Religionsvertreter gerne behaupten), und legt den "wandelbare(n) ethische(n) Zeitgeist" dar. Weiter geht es mit teilweise haarsträubenden Beispielen über den Schaden, den Religion anrichtet und die Frage, was eigentlich das positive an Religion ist bzw. sein könnte und ob diese Faktoren nicht auch anders (und besser) zum Tragen kommen.

Manche wissenschaftliche Abschweifungen waren mir etwas zu detailliert, trotzdem aber fundiert und interessant zu lesen. Auch nimmt Dawkins immer wieder eine Verteidigerposition ein und antwortet auf (potentielle) Anfeindungen, die er in seinem Leben allerdings tatsächlich (wahrscheinlich täglich) beantwortet, was sich manchmal wiederholt, gerade diese Kapitel sind allerdings auch am lustigsten und teilweise leider auch nötig, wenn er zum Beispiel erklären muss, warum religiöser Fundamentalismus sich von wissenschaftlichem Eifer unterscheidet (Spoiler: der Wissenschaftler ist immer bereit, seine Meinung angesichts neuer Erkenntnisse zu ändern).

Fazit: Ein sehr unterhaltsames, schlaues Buch, empfehlenswert eigentlich für alle. Für religiöse Menschen als Denkanstoß, für Atheisten als Bestätigung Smile


Noch ein paar Zitate anderer Autoren, die von Dawkins zitiert werden:

  • "Wir müssen die Religion des anderen respektieren, aber nur in dem Sinn und dem Umfang, wie wir auch seine Theorie respektieren, wonach seine Frau hübsch ist und seine Kinder klug sind." (H.L. Mencken)
  • "Alle Religionen sind gleich: Religion, das sind vor allem Schuldgefühle mit unterschiedlichen Feiertagen." (Cathy Ladman)
  • "Ein höheres Maß des Glaubens an einen Schöpfer und ein höheres Maß an Gottesverehrung korrelieren in den wohlhabenden Demokratien mit einer höheren Quote an Morden, Kinder- und Jugendsterblichkeit, Übertragung von Geschlechtskrankheiten, Teenagerschwangerschaften und Abtreibung." (Gregory S. Paul)
  • "Wer seine Moral wirklich auf den Wortlaut der Bibel gründen will, hat sie entweder nicht gelesen oder nicht verstanden." (Bischof John Shelby Spong)
  • "Religion ist eine Beleidigung für die Menschenwürde. Mit ihr oder ohne sie gibt es gute Menschen, die gute Dinge tun, und böse Menschen, die böse Dinge tun. Aber damit gute Menschen böse Dinge tun, braucht es die Religion." (Steven Weinberg)
  • "Religiöser Glaube birgt die Gefahr, dass er ansonsten ganz normalen Menschen gestattet, die Früchte des Wahnsinns zu ernten und sie für heilig zu halten. Da jeder neuen Kindergeneration beigebracht wird, religiöse Vorschriften müssten nicht wie alle anderen Regeln gerechtfertigt werden, ist die Zivilisation immer noch von den Armeen des Absurden belagert." (Sam Harris)
  • "Wer dich veranlassen kann, Absurditäten zu glauben, der kann dich auch veranlassen, Gräueltaten zu begehen." (Voltaire)
  • "Viele Menschen sterben lieber, als dass sie nachdenken. Sie tun es tatsächlich." (Bertrand Russell)
  • "In jedem Dorf gibt es eine Fackel, den Lehrer, und jemanden, der dieses Licht löscht, den Pfarrer." (Victor Hugo)


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