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Robert Sheckley - Lebensgeister GmbH
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boris



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Titel: Robert Sheckley - Lebensgeister GmbH
Verfasst am: Sa, 03 Jun 2006, 13:39
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Robert Sheckley - Lebensgeister GmbH

Auch wenn deutsche Verlage die Angwohnheit haben, Science Fiction-Romane mit unsäglichen Titelübersetzungen auszustatten (ich erinnere an Frank Herberts "Ein Cyborg fällt aus" als Übersetzung von "Destination Void"), geht der Titel diesmal schon einigermaßen in Ordnung, wenn das Original auch "Immortality" heißt.

Was nicht geht, ist, auf dem Buchrücken eine Zusammenfassung der Handlung anzubieten, die zur Hälfte einfach nicht stimmt:
"Wer Geld hat, braucht den Tod nicht mehr zu fürchten. Er bucht bei der Lebensgeister GmbH einen frischen, jungen Körper, in den seine Seele rechtzeitig übertragen wird."
Soweit so gut, bis hierhin stimmts, aber dann das hier:
"Die Sache hat nur einen Haken - die neuen Körper besitzen noch ihre eigenen alten Seelen, und niemand kann garantieren, daß sich zwei Seelen in einem Körper gut vertragen."
Nö, Bastei-Lübbe, darum gehts in dem Buch aber mal garnicht - das ist doppelt ärgerlich, weil ich deswegen das Buch gelesen habe. (Glücklicherweise ist das Buch trotzdem top.)

Und noch ein Minuspunkt für Bastei-Lübbe: das Cover ist wohl mal so ziemlich das dämlichste, was ich kenne. Nicht nur, daß das Bild Scheiße ist, es geht in dem Buch auch überhaupt nicht um leichtbekleidete, spitzzahnige, blauhäutige Tussis mit roten Umhängen und Säbeln. Aber garnicht.


Rein inhaltlich gibts an dem Buch aber nichts auzusetzen, die Story ist fett, die Umsetzung und der Einfallsreichtum genial, was will man mehr?

Thomas Blaine wacht plötzlich in der Zukunft auf, in einem anderen Körper. Das letzte, woran er sich erinnern kann, ist ein Autounfall, der ihn das Leben kostete. Hier kommt direkt der Satiriker Sheckley ins Spiel, denn der Grund für sein "neues Leben" ist eine Marketingkampagne. Als die platzt, will man ihn schnell wieder loswerden und Blaine ist auf der Flucht.
Um Geld zu verdienen, kommt (wieder einmal) Sheckleys "Jägerspiel" gerade recht. Ansonten muß sich die Hauptperson erst einmal mit der schönen neuen Welt abfinden, in der der Tod offenbar besiegt wurde, Seelen nach dem Tod transferiert werden können (nur für Betuchte, natürlich) und Zombies und Gespräche mit dem Jenseits an der Tagesordnung sind.

Sheckley hat hier ein gut durchdachtes Szenario erschaffen, daß - wie oft bei ihm - vor Ideen nur so strotzt, diesmal ist das aber nicht störend sondern genial umgesetzt. Auch die Verflechtung von Religion und die Rolle der Kirche im Angesicht der Möglichkeit, den Geist (und/oder die Seele ?) zu transferieren, ist ihm sehr gelungen.
Und endlich wissen wir, woher Futurama die Selbstmordzellen und der Film "Strange Days" die Idee der "Clips" (also prinzipiell die Grundlage für die Filmhandlung) her hat - maximaler Respekt, Herr Sheckley !

Fazit: ein genialer, hintergründiger und augenzwinkernder, dabei aber nicht unkritischer Science Fiction-Roman, der beste von Sheckley, den ich bisher gelesen habe, unbedingte Empfehlung !


PS: Der Roman diente als Vorlage für den Film "Freejack" (mit Emilio Estevez), der aber in einen reinen Actionstreifen ausgeartet sein soll (hab den Film nicht gesehen).


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Zuletzt bearbeitet von boris am Di, 08 März 2016, 21:05, insgesamt 3-mal bearbeitet. (2 Prozent)

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boris



Beiträge: 10153

Titel: Re: Robert Sheckley - Lebensgeister GmbH
Verfasst am: Fr, 16 Feb 2007, 22:41
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boris @ Sa, 03 Jun 2006, 13:39 gab folgendes von sich:
Der Roman diente als Vorlage für den Film "Freejack" (mit Emilio Estevez), der aber in einen reinen Actionstreifen ausgeartet sein soll

Den Film habe ich mir gerade reingezogen und das Urteil hat sich bestätigt: bis auf die Idee der "Bewußtseinsübertragung" ist vom einfallsreichen Buch nicht viel übrig geblieben, der Rest ist relativ viel Geballer und Action, was für eine nette Unterhaltung ausreicht, trotzdem würde ich den Streifen eher unter "nicht wirklich nennenswerter B-Film" abhaken.


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