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[TXT] Snorr - Hindenburg
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Der Archivar



Beiträge: 160

Titel: [TXT] Snorr - Hindenburg
Verfasst am: Mo, 04 Apr 2011, 17:18
Beitrag
Antworten mit Zitat

Autor: Snorr
Dateidatum: 14.8.2004

Code:
Snorr:  Hindenburg

Nach   Entwicklung  eines  geeigneten  Sternenantriebes,  und  seiner
Energiequellen,  der  es  der  Menschheit  ermoeglichte die Abgruende
zwischen  den  Sternen  nicht mehr in Generationen, sondern in Wochen
und Tagen zu ueberwinden, war die Verbreitung nicht mehr aufzuhalten.
Doch  auch in dem neuen Zeitalter blieben die Beweggruende und Triebe
des  Menschen die gleichen, die ihn auch im 20.  Jahrhundert fast zur
Selbstvernichtung getrieben haetten.

Sphaerische   Musik   begleitete   einen   Film,  der  in  einem  der
Medienraeume  der  Bolder  Inc.   gezeigt  wurde.   Auf  dem  grossen
Holoschirm  war  ein Ausschnitt der Milchstrasse zu sehen, die Sterne
an  einem  Band  aufgereiht im schwarzen Hintergrund, langsam kam ein
Planet  von unten ins Bild, gruen, wie ein Edelstein lag er auf einem
Praesentierteller, die Musik wurde eindringlicher.  \"Eine fremde Welt
wartet  auf  Sie, eine bisher unentdeckte Welt ausserhalb der Grenzen
des  Reiches  Sol.   Erleben  Sie  das Abenteuer in seiner extremsten
Form,  setzen sie ihren Fuss als erster auf jungfraeulichen Boden und
erobern  Sie  sich  neue  Laender, Kontinente oder den Planeten!\" Der
Planet  kam  naeher  und naeher, in rasendem Flug durchstiess man die
wenigen  Wolken,  Waelder  und  riesige Fluesse wurden sichtbar, dann
Staedte  in  einer  phantastisch  skurrilen  Bauweise, das imaginaere
Flugzeug  schwankte um auf eine horizontale Flugbahn, schleuderte und
schlingerte  durch  die  Stadt, einige Punkte bewgten sich, die Szene
veraenderte  sich  langsam,  bis  man  New  York erkennen konnte, die
Wolkenkratzer  spiegelten die Sonne wieder, ploetzlich wichen sie zur
Seite   und   der   Raumhafen   wurde  sichtbar.   \"Wir  starten  von
Reagen-Raumzentrum,  die  Faehren  bringen  Sie bequem und sicher bei
konstant  1.3g  rauf zum Expeditionsschiff Hindenburg.\" Ein silbriger
Pfeil kroch auf eine Startbahn um, mehrmals drehte er sich, als ob er
sich  vergewissern  wollte,  dass  nichts ihn aufhalten koennte, dann
zuckte  eine  blaeuliche, helle Flamme aus dem Triebwerk, sie bewegte
sich  zuerst  zoegernd,  dann immer schneller auf das Ende ihrer Bahn
zu,  ein  Droehnen  erfuellte den Raum, die Perspektive wechselte und
man  sah  aus dem Fenster der Faehre die Wolkendecke, welche zu einem
allgemeinen  Weiss  wurde  und dann einer blaeulichen Schwaerze wich,
unterbrochen  nur  von  der Sonne, die Sterne wurden wieder sichtbar,
ein  Schatten  huschte  vor der Faehre.  Er wurde rasch groesser, ein
riesiges,   schwarzes   Raumschiff   wurde  sichtbar,  Tuermchen  und
Aufbauten  nach  allen  Seiten  rausragend, aber nicht die laengliche
Form  des Schiffes entstellend, es lag dunkel und schweigend im Raum,
annaehernd  4km  lang,  die  Faehre naeherte sich vorsichtig, als das
Schiff  den  ganzen  Bildschirm ausfuellte, erreichte die Musik einen
neuen  Hoehepunkt,  ploetzlich,  als  haette  jemand  nur einen Hebel
umgelegt,  erstrahlte das Schiff in Lichterketten, die es bestrahlten
und  zu  einer  Stadt  bei  Nacht werden liessen, es wirkte irgendwie
lebendig.   \"Die  Hindenburg,  Ihr  Fahrstuhl  zu  den  Sternen,  ist
ausgestattet    mit    bequemen    Luxuskabinen,    Mediennetzwerken,
Zentralcomputer  fuer  alle  Anforderungen optimal programmiert, eine
laufende  Spielshow im grossen Saal wird fuer Ihre Zertreuung sorgen,
bis  das eigentliche Expeditionsziel erreicht ist.\" Die Stimme sprach
noch  weiter,  waehrend  die Faehre von der Hindenburg eingeschleusst
wurde, aus der Naehe sah sie, fuer erfahrene Beobachter, schon aelter
aus,   die  Tuerme  waren  teilweise  etwas  zerbeult,  der  schwarze
Lackueberzug  an manchen Stellen abgeblaettert.  Der Schriftzug ihres
Namens,  Hindenburg,  zog  majestaetisch  vorbei, aber auch mit etwas
angekratzter  Wuerde.   \"So,  das reicht jetzt aber!\", die Stimme des
Generaldirektors  von  Bolder  hallte  durch den Saal, in dem Lichter
wieder  aufleuchteten.  Der Holoschirm verblasste, in dem Medienraum,
der  fuer  annaehernd 2000 Leute bestimmt war, sassen derer nur vier,
aber  in  einer  der  Logen:   Schmidt,  Sicherheitsmann  bei Bolder,
Abteilung  Werksspionage;  Loeffler,  ehemaliger Leiter einer Filiale
von  Bolder, die leider schliessen musste; Anna Baum, seine ehemalige
Sekretaerin,   und   der   Generaldirektor:    \"Schmidt  aus  unserem
Sicherheitsbereich  hat  diesen  Film  fuer  uns besorgt, er gibt uns
einigen Aufschluss ueber die schlechten Geschaefte dieses Jahr, meint
er.   Koennen  Sie  uns  das bitte erlaeutern?\" Schmidt raekelte sich
selbstzufrieden  in seinem Sessel:  \"Wie Sie wissen, hat PanBlitz vor
drei  Jahren  voellig  ueberraschend die ausgemusterte Hindenburg von
der Flotte aufgekauft, ein Schiff, das seit mehr als 50 Jahren Dienst
tat  und  nun  als  voellig  veraltet  gelten muss, auch im Vergleich
unserer  zivilen  Passagierkreuzer.   Was  hatte  PamBitz  mit diesem
ehemaligen  Kampfkreuzer vor?  Bei meinen Recherchen musste ich unter
anderem   feststellen,   dass  die  Hindenburg  voellig  ueber  Preis
abgegeben  wurde,  aber  auch,  dass von ihrer Bewaffnung, Jaeger und
schwere  Geschuetze,  seitdem  jede  Spur  fehlt.\"  \"Wollen  Sie etwa
andeuten,  dass  sich  ein  voll  bewaffneter  Kreuzer  im Besitz von
PamBlitz  befindet?\",  Loeffler  war  das  eigentlich  klar,  aber er
fuehlte,  dass  er  irgend etwas sagen musste.  \"Das wollte ich damit
ausdruecken.\"  \"Was  wollen  die  damit?   Es  hat keine nennenswerte
Vorfaelle  mehr  seit  20  Jahren  gegeben.\",  Anna eilte damit ihrem
ehemaligen Chef zu Hilfe.  \"Keine im Reich, wir wissen aber, dass die
Hindenburg   eine   groessere  Reichweite  hat,  als  unsere  Grenzen
erlauben.    Wir   wissen  auch,  dass  PamBlitz  schon  zwei  dieser
Vergnuegungsfahrten, wie die eben angepriesene, mit ihr durchgefuehrt
hat,  und  dass  an  unserem  Programm,  Grosswildsafaris  auf  Borg,
Gliderfahrten  auf  den  Meeren von Atlantis, Drogen von Nirwana, und
anderen  konventionellen  Fahrten  seitdem  kein, oder nur sehr wenig
Interesse  besteht.  Mit sehr wenig meine ich die Schichten, die sich
uns  nicht  leisten  koennen.   Damit  kommen wir schon zum naechsten
Problem,  die  Hindenburg nimmt neben der eigentlichen Besatzung auch
sogenannte  Betreuer in ihren Gehaltslisten auf.  Ich habe in unseren
Slums  ein  bisschen  nachgefragt,  keiner  dieser Leute, und es sind
nicht  zu  wenig,  ist  je  wieder  zurueckgekehrt.\" Mit einer, etwas
theatralischen Geste, zog Schmidt ein Metalldokument aus seiner Jacke
hervor:   \"Nach  Ruecksprache  mit dem Vorstand habe ich einen dieser
Betreuervertraege mit PanBlitz abgeschlossen, in vier Tagen werde ich
an  Bord  gehen.\" \"Schoen, und was haben wir damit zu tun?\", Loeffler
war  eigentlich  nur  gekommen,  um seine bevorstehende Entlassung zu
vermeiden.   Der  Generaldirektor  hatte  auf diesen Augenblick schon
gewartet, er gabe Loeffler und seiner Sekretaerin zwei Tickets:  \"Das
sind  ihre Karten fuer die groesste Show des Universums, Schmidt kann
aus  eben  erwaehnten  Gruenden  seinen Bericht hier vielleicht nicht
mehr   abliefern,   Sie  und  Ihre  Sekretaerin  werden  als  normale
Passagiere  mit  der  Hindenburg  starten.   Sie  sind  dort leitende
Angestellter  und,  aehem,  Begleitung,  Ihre  Identitaet  wurde  von
Schmidt  genauestens zusammengestellt, sogar Ihr Einkommen wurde dem,
der  uebrigen  Hindenburgpassagiere angepasst, sollten Sie brauchbare
Daten  nach Hause bringen, liesse sich ueber eine Beibehaltung dieses
Gehaltes  reden.\"  Loeffler  sah betroffen drein, Schmidt grinste ihn
an:   \"Keine  Angst,  wenn  ich  glauben  wuerde, dass ich nicht mehr
zurueckkomme, waere ich nicht dabei!\" Anna Baum und Gerhardt Loeffler
hatten noch diesen und jenen Einwand gegen diese Geschichte bevor sie
die Tickets annahmen.  Die Schlange kam langsam voran, einer nach dem
anderen  passierte die Schalter, zur letzten Kontrolle der Identitaet
und  der  Tickets  zur  Hindenburg, seltsamerweise schienen all diese
Vertreter  der  besser  Verdienenden  nicht viel Gepaeck mitnehmen zu
wollen.   Loeffler  fuehlte  sich  elend,  und  jeden  Meter, den die
Schlange  ueberwand,  wurde  er nervoeser.  Diesen Werbefilm hatte er
nie  wieder  gesehen,  in  der  oeffentlichen  Werbung war er einfach
unauffindbar,  von  der  Hindenburg  ganz  abgesehen, kaum jemand aus
seinem spaerlichen Bekanntenkreis wusste ueberhaupt noch, dass es sie
gab.   Anna  Baum  schien  es  kaum  besser  zu  gehen,  sie sah sich
betroffen  in  dem  Raumhafen um, ein riesiger, erdrueckender Bau, es
schien,  als  wollte  heute die ganze Erde zu den Sternen, ueber acht
Galerien  schoben  sich Reisende in die verschiedenen Gaenge zu ihren
Zielen, aber sie wussten wenigstens, wohin sie gebracht wurden.  Nach
endloser Zeit pruefte ein muerrischer Mensch ihre Karten und verglich
sie  mit  den  Daten  in  seinem Terminal, nickte befriedigt und eine
Schleuse  oeffnete  sich  zischend, sie wollten schon durch als seine
Stimme  sie  zurueckhielt:   \"Sie  haben  ihre Bordkarten vergessen.\"
\"Danke\" murmelte Loeffler, langte nach den Karten und schob sie beide
durch  die  Schleuse.  Ein mulmiges Gefuehl, die Schleuse sich wieder
schliessen  zu  hoeren,  dann liefen sie einen langen metallenen Gang
zur  Faehre  runter,  der kuenstlich beleuchtet wurde.  \"Guck mal, so
etwas habe ich noch nie gesehen.\" Loeffler wandte sich um und sah ein
Wappen  mit  einem  brennenden,  niedergehenden  Luftschiff  in einer
rot-schwarzen  Darstellung,  obwohl er sich daraus keinen Reim machen
konnte,  lief  es  ihm  kalt  den  Ruecken runter.  \"Ist gut gemacht,
finden  Sie  nicht auch?\" Er drehte sich erschreckt um und sah in ein
gutmuetiges   Grinsen.    \"Gestatten   Sie,  Frederick  G.   Forsyte,
Schokoladenfabrikant, Sie wissen sicher, MILKA im lila Papier, nennen
Sie  mich  Fred.\"  Mit  einem  Umfang,  der  Anna auf mindestens drei
Zentner  schliessen liess, hatte er sicher recht:  \"Aeh, ja, Gerhardt
Loeffler  und  Anna Baum, wir sind leider noch nicht selbststaendig.\"
Forsyte  gab  sich  weiterhin  loyal:   \"Das macht doch nichts, hier,
nehmen  Sie  einen  Riegel  Schoko  und  kommen  Sie  zur Faehre, ich
blockiere  noch  den  ganzen  Gang,  hehe.\"  In  der Tat stauten sich
weitere  Reisende  hinter  Forsytes  Massen,  so  dass die drei neuen
Bekannten  sich  zur  Faehre  begaben.   Der  Start  mit  der  Faehre
\"Columbus\"  schien tatsaechlich der aus dem Film zu sein, Forsyte gab
Stories  aus  seiner  Branche  zum  Besten, so dass Loeffler sich der
Muehe  seine neue Identitaet zu verteidigen enthoben sah.  In der Tat
war  er  sogar  viel zu aufgeregt, Forsyte zuzhoeren, so verpasste er
eine  Menge interessante Geschichten, die Anna aufgeregt konsumierte.
Wieder  durchstiess die Faehre die Wolken, wieder wurde ein schwarzer
Schatten  im  Weltraum  groesser  und  groesser, Loeffler meinte eher
bedrohlicher,  bis  die  Hindenburg  in  voller  Pracht zu sehen war.
\"Dies ist jetzt die dritte Fahrt, die ich hier mitmache, es ist jedes
mal  aufregend\" \"Ach ja?  Wissen Sie, wir sind zum ersten mal dabei.\"
\"Wie sind Sie denn auf die Hindenburg gekommen?\" \"Durch Bekannte, sie
schienen  so  begeistert  zu  sein,  dass  Gerhardt,  ich  meine Herr
Loeffler,  meinte,  wir sollten auch mal einen Trip wagen.\" Genannter
Loeffler  wollte schon zusammenzucken, bevor er bemerkte, wie perfekt
eine Sekretaerin diese Art von Geplauder beherrschte.  Die Triebwerke
grollten zur letzten Kurskorrektur leise auf, dann hielt die Columbus
direkt  auf  den Schleusenschacht der Hindenburg zu, viel zu schnell,
wie  es Loeffler schien, die Decks und Aufbauten des grossen Schiffes
flitzten  an  seinem  Fenster  vorbei,  dass  es  ihm  mulmig vorkam,
ploetzlich  hing  er  im  Gurt  und die Faehre wurde langsam in einer
grossen     Halle     angedockt,     \"Elektromagnetische     Bremsen,
Flottenstandart\",   erklaerte   Forsyte   ungeruehrt.    Die  meisten
Passagiere  standen  auf und begaben sich geordnet zur Schleusentuer,
als  seien  sie  es  schon  gewohnt, da Forsyte den meisten zunickte,
schienen  sie  es  in  der  Tat gewohnt zu sein.  Hinter der Schleuse
wurde  das  beruhigende  Weiss  der  Faehre  durch  das  Schwarz  der
Schleusenhalle  der  Hindenburg  abgeloest,  ein Stewart in einer Art
Uniform  verteilte  an die Passagiere, nach nochmaliger Kontrolle der
Tickets, Laserkarten.  Loeffler drehte sie zwischen seinen Fingern um
und  betrachtete  sie  aufmerksam  von allen Seiten.  \"Darf ich Ihnen
helfen?\",  Forsyte wartete die Antwort nicht ab, sondern nahm ihm die
Karte  ab  und  steckte  sie  in einen Schlitz in der Wand, der durch
einen  silbernen  Pfeil  markiert wurde.  Sofort klappte ein Keyboard
aus  der  Wand  und gab damit auch einen kleinen Bildschirm frei, der
nur  ein  \"Eingabe  Gerhardt Loeffler:\" von sich gab.  \"Damit koennen
Sie   sich  jederzeit  im  ganzen  Schiff  zurechtfinden,  aber  auch
verschiedene Dienstleistungen anfordern, praktisch was?\" \"Koennen Sie
es  mir  mal  zeigen, ich habe keine besondere Ahnung davon.\", er sah
sich das Terminal zweifelnd an.  \"Es ist sehr praktisch, diese Tasten
pruefen  bei  jeder Eingabe Ihre Fingerabdruecke, bei mir tut sich da
ueberhaupt  nichts.   Geben Sie mal \'Standort\' ein.\" Auf Standort gab
das   Terminal   \"Faehrendeck  #2\"  aus,  und  auf  Rueckfrage  einen
Kartenauschnitt des Bereiches, wo sie sich befanden.  Loeffler haette
gerne  weiter  damit  rumgespielt,  als  eine  Stimme  durch den Saal
hallte:   \"Wir  begruessen  Sie  an Bord der Hindenburg und wuenschen
Ihnen  viel  SPASS  auf  dieser  Expedition.  Ein Begruessungsumtrunk
steht  fuer  Sie  bereit,  wir  verlassen  die Erdumlaufbahn in fuenf
Stunden  mit  Kurs  auf  Alpha  Crucis,  dem letzten Aussenposten des
Reiches.   Sie  waren  uebrigens  die letzten.\" Ein pflichtschuldiges
Lachen  schwebte  durch die Halle, dann gesellten sich die Passagiere
in   kleinen  Grueppchen  zu  den  Stewarts,  die  Glaeser  mit  Sekt
verteilten.   \"Wir  sehen  uns dann beim Antrittsessen bei Startzeit,
Sie  finden  Ihre Kabine?\" Anna versicherte Forsyte, dass sie mit den
Terminals  ausreichend  umgehen  konnte  und sie beide schon zum Ziel
braechte,  so  dass Forsyte beruhigt seiner Wege zog.  \"Wo sind meine
Abendanzuege,  verdammt noch mal?!\", Loeffler schaukelte sich langsam
zum cholerischen Anfall hoch, besonders das Laecheln dieses Stewarts,
die  auch  noch  irgendwie  alle  gleich  aussahen,  brachte  ihn zur
Weissglut.   \"Es  ist hier nicht Sitte, Abendanzuege zu tragen, Sir.\"
\"Das  ist  kein  Grund sie zu verstecken!\" \"Bitte nehmen Sie doch die
bereitliegenden  Anzuege.\"  \"Die  schwarzen Klamotten?  Wie kaeme ich
dazu?\"  \"Bitte  beruhige  Dich  doch, Schatz, wenn es hier so ueblich
ist,  dann  lass  sie  doch.\"  Er ueberlegte es sich noch mal, und um
nicht   weiter   aufzufallen   entliess  er  den  Stewart  mit  einem
ungnaedigen  Wink  aus der Kabine.  Jetzt wusste er wenigstens, warum
die  restlichen  Passagiere  so  wenig Gepaeck hatten, Kleidung, eher
Uniformen,  wenn auch relativ elegante, wurden von PamBlitz gestellt.
Die Kabine war geraeumig und bot mehr als ausreichend Platz fuer zwei
Personen,  der  Umbau  der  Hindenburg auf 900 solcher Kabinen musste
nochmal  Millionen  gekostet haben, aber den Innenarchitekten sollten
sie  besser vor die Tuer (der Hindenburg, hehe) setzen, bei schwarzer
Bettwaesche  hoert  der  Spass  auf  und  faengt  Nekromanie an.  Mit
solchen und aehnlichen Gedanken versuchte sich Loeffler zu beruhigen,
das  Durchwandern  endloser  Gaenge  und  Aufzuege hatte ihn in einem
starken  Stresszustand  versetzt,  er begann jetzt die Groesse dieses
Schiffes zu verstehen und litt an einer leichten Klaustrophobie, ohne
Anna  haette  er  sich  aber hier noch in schlimmere Geisteszustaende
versetzt.   Wieder ging das rote (ROT!) Licht ueber der Tuer an, dass
jemand  einzutreten  wuenschte,  unwillig drueckte Loeffler den Knopf
und  fauchte  \"Was  wollen  Sie  denn  noch?\"  Schmidt hielt sich den
Zeigefinger  an  den Mund und trat in die Kabine:  \"Eigentlich wollte
ich  nur  fragen,  wie  Sie  sich  hier zurechtfinden.\" \"Gut, man hat
unsere  saemtlichen  Anzuege  konfisziert und uns diese Familiengruft
zugewiesen,  aber  sonst  geht es bestens!\" \"Beruhigen Sie sich, alle
Passagiere scheinen hier schwarz zu tragen, das gehoert wohl zu einer
Art  Gemeinschaftsgefuehl, das PamBlitz erzeugen will, sehen Sie mich
an, mir hat man diesen grauen Knastanzug verpasst.\" Schmidt sah jetzt
nicht  mehr so stattlich aus, wie vor Tagen im Medienraum von Bolder,
dieser  graue  Anzug  schaffte  es  irgendwie alle Koerperkonturen zu
verwischen.   \"Wie  gehts  Ihnen  sonst?\",  Anna  fand  sich  auf der
Hindenburg  schnell  zurecht.   \"Man hat mich mit 20 anderen in einem
Schlafsaal  einquartiert, von denen gibt es aber noch ziemlich viele.
Ich  geh  jetzt wieder, hier habe ich eigentlich keinen Zutritt, aber
man  hat  so  seine  Tricks,\" Schmidt laechelte selbstgefaellig, \"die
anderen  grinsen mich nur bloede an, wenn ich sie frage, was wir hier
sollen, mir scheint, wir sind fuer besondere Zwecke vorgesehen.  Viel
Spass noch, denken Sie daran, die Firma hat Ihnen einen kostspieligen
Urlaub  spendiert!\"  Er  verschwand  wieder,  so  dass  sich Loeffler
fragte,  was  er  eigentlich  wollte.   \"Ich  mach  mich ein bisschen
frisch,  wehe Sie gucken!\", Anna lachte schelmisch, bevor sie ins Bad
verschwand.    Ein  Bad  pro  Kabine,  die  Hindenburg  war  wirklich
verschwenderisch  ausgestattet,  aber  allein darin konnte ihr Erfolg
nicht  liegen, auch nicht an dieser Uniformierung der Passagiere, die
mussten  noch  mehr  bringen.   Loeffler  beschloss  seine Zeit nicht
laenger irgendwelchen Gruebeleien, sondern dem persoenlichen Terminal
zu  widmen, Anna und Schmidt schienen auch nicht uebermaessig besorgt
ueber  ihre  Sicherheit  zu  sein.  Am Terminal lag eine Message vor:
\"Habe  fuer  Sie  zwei Plaetze am Kapitaenstisch organisiert, erwarte
Sie dann.  Forsyte\" Als Loeffler mit Anna die Gemeinschaftshalle, aus
bisher  nicht naeher erlaeuterten Gruenden \"Bruecke\" genannt, betrat,
blieb  ihm  der  Atem  weg.   PamBlitz  hatte  tatsaechlich alle 1500
Passagiere  in  einer  Halle  untergebracht,  in zwoelf Galerien, die
zudem  unregelmaessig  gebaut  waren  und teilweise in phantastischen
Formen  ueber  der  Halle  hingen,  waren  die  Gaeste der Hindenburg
verteilt.   Der  Saal  war  so entworfen, dass man unwillkuerlich auf
sein  erhoehtes  Ende  schauen  musste, wo eine massige Gestalt schon
winkte.   Wie  Forsyte sie auf diese Entfernung erkannt haben mochte,
war Loeffler ein Raetsel.  Ein Stewart trat heran und fragte nach den
Bordkarten,  er  haendigte  sie  ihm aus, nachdem dieser sie geprueft
hatte  schien  ein  bisschen  Ehrfurcht sein Gesicht zu verzieren, er
brachte  sie  zuegig nach vorne, wo Forsyte sie schon erwartete, auch
er trug schwarz, aber mit ein paar seltsamen Streifen dazwischen.  Im
Hintergrund  spielte die gleiche bizarre Musik, die Loeffler schon in
diesem  Werbefilm  gehoert  hatte,  aber  das  schien  ihm schon eine
Ewigkeit zurueckzuliegen.  Der Kapitaen, ein richtiger Bartmensch mit
Augenklappe,  ob  jetzt  Aufmachung  oder ob es sowas heute noch gab,
begruesste  sie  beide mit Handschlag:  \"Willkommen an Bord, dies ist
Ihre  erste  Reise  mit  der  Hindenburg?\"  Wieder uebernahm Anna die
Konversation,  Loeffler  beobachtete  nur  noch staunend diese Halle,
nicht  alle  Passagiere sahen im Augenblick auf diesen Tisch, konnten
aber  jederzeit durch eine leichte Wendung mit dem Kopf die Vorgaenge
hier  beobachten, er kam sich vor wie auf einem Praesentieteller, der
Tisch selbst hatte auch fuer jeden Gast einen Schlitz fuer die Karte,
er  nahm  an,  dass  es  sich bei allen anderen Tischen hier genau so
verhielt.    Die   gegenueberliegende   Wand   zeigte   ein  riesiges
Hindenburgemblem, Loeffler fragte sich, warum es ihm zuerst entgangen
war.   \"Mr.   Forsyte hat sie beide uebrigens als Novizen fuer diesen
Tisch  vorgeschlagen,  ich  hoffe,  Sie  werden  annehmen?\"  Loeffler
fuehlte  sich  ueberumpelt:   \"Was ist das, Novizen?\" \"Oh, Sie werden
waehrend    der   heissen   Phasen   auch   mal   stundenweise   hier
Kontrollfunktionen  ueber  die  Hindenburg  ausueben.\"  \"Ich  dachte,
dafuer  braeuchte  man  eine Ausbildung, und Patente und sowas?\" \"Nur
innerhalb des Reiches\", der Kapitaen laechelte.  Am Tisch sassen noch
ein  lange  pensionierter  hoher  Militaer,  General  Carter, und ein
Xenobiologe,  Dr.   Herbert  von  Salzick,  beide  laechelten mit dem
Kapitaen  wissend.   Die  Stewarts  begannen das Mal aufzutragen, ein
Streifzug durch die bisher besiedelten Welten, den Nachtisch bestritt
Forsyte  mit  seinen  Produkten,  eine staendige Geraeuschkulisse aus
Raunen  ging durch den Saal, die abrupt unterbrach, als Kapitaen Hero
einen  Gong ausloeste:  \"Meine Damen, mein Herren, darf ich Ihnen die
Schiffsnovizen  der dritten Expedition vorstellen, Mrs.  Baum und Mr.
Loeffler!\"  Loefflers  Schrecken  mehrte  sich,  als  Annas  und sein
Konterfei   riesig   auf  der  Wand  erschienen,  wo  eben  noch  das
Hindenburgemblem  war.  Hero reichte Ihnen mit feierlicher Miene zwei
silberne  Streifen,  die ihm Forsyte aus der Hand nahm und den beiden
anheftete.   Ein  Klatschen  erfuellte den Saal.  \"Aktivieren Sie Ihr
Terminal!\"  Gehorsam steckte Loeffler seine Karte in den Schlitz, der
Bildschirm zeigte jetzt \"Novize Gerhardt Loeffler:\" an.  Der Kapitaen
gab   irgendetwas   bei   sich  ein  und  die  Wand  zeigte  nun  ein
atemberaubendes  Panorama  der  Erde,  die  sich  langsam  unter  der
Hindenburg  drehte,  im  Hintergrund  die  Sterne.   \"Starten Sie die
Expedition,  Novize  Loeffler!\"  \"\'Start  Drive  with #1\' eingeben.\",
fluesterte  Forsyte.   Loeffler  gab  den  Satz ein, ein leises, aber
tiefgruendiges Droehnen erfuellte den Saal, die Erde kippte zur Seite
und verschwand, Ziffern wurden eingeblendet.  \"Gut, sehen Sie, es ist
nicht  so schwierig das Schiff zu fuehren.\", der Kapitaen lachte, der
Rest  des  Schiffsabend  verbrachte  man  mit  Musik  und  gepflegter
Konversation.   Das  Raumschiff  glitt ueber einen dichten Dschungel,
als  ploetzlich die Panzer in einer Lichtung auftauchten.  Es hagelte
Granaten  bis  eine  traf, das Schiff zersprang in Truemmer, die sich
ueber  den  ganzen  Bildschirm  verteilten,  dazu  ein Sound, der den
Apparat beben liess.  \"Fuer den Anfang nicht schlecht, Gerhardt, aber
Du  musst noch ein bisschen ueben.\" Loefflers feuchtschwitzige Haende
liessen den Joystick los, er hatte schon immer gerne ein Spielchen an
diesen  Automaten gewagt, aber diese waren, trotz der besten Graphik,
die  er bisher gesehen hatte, zu schwierig:  \"Ich schaff das nie, bei
diesen  verdammten  Panzern  gehe  ich  immer  drauf!\" \"Du musst doch
inzwischen die Taktik von diesen Kriechern kennen, sie schiessen Ihre
Munition  immer  auf  die  Stelle,  die  Du bei gleichbleibenden Kurs
zusammen  mit  dem  Geschoss  erreichen  wirst.   Achte darauf und Du
kannst  die  Panzer abhaken.\" Diesmal spielte er danach und ueberwand
tatsaechlich die Panzerbarriere um danach nur wieder neuen Tricks des
Automaten  gegenueberzustehen.   \"Wie  machst  Du  dass,  Frederick?\"
\"Achte  auf  Ihre  Taktiken,  sie  sind  immer primitiv, im Ernstfall
darfst   Du   Dir  keine  Fehler  mehr  erlauben!\"  Loeffler  spielte
konzentrierter  und  nach  zwei Stunden beherrschte er den Automaten.
Er  und Forsyte standen im grossen Spielsalon der Hindenburg, wo sich
die  Passagiere  extrem guten Simulationen hingeben konnten.  Forsyte
fand  scheinbar  nichts mehr an diesen Spielen, er sprach dauernd von
Gerhardts und Annas Ausbildung, die noch erfolgen musste, so hatte er
Anna  zu  einer  Art Schuetzenverein abkommandiert, Loeffler fand ihn
langsam  als  aufdringlich.  Seine Karte kam aus dem Automaten wieder
raus  und  er fragte sich, was wohl passiert, wenn man ihn doch nicht
besiegt.   Die  Antwort  ersparte  er  sich  lieber, die Schiffslogik
verlief  so,  dass er dann so lange zu ueben hatte, bis er die Karte,
und  damit  seine  Rechte  hier,  vom Automaten zurueckerhielt.  Anna
hielt  das  schmale  Schwert  in  Schutzstellung  und  wollte  gerade
angreifen, als ihre Lehrerin ihr es mit einer geschickten Wendung aus
der  Hand  schlug,  das  Schwert schlug klirrend auf.  \"Sie halten es
falsch!\" Die Fechtlehrerin hob es fuer sie wieder auf und drueckte es
ihr  in  die Hand, \"So, sehen Sie.\" Sie fuehrte das Manoever von eben
nochmal  langsam  vor und Anna sah, wie man ein Schwert sicher in der
Hand  haelt  ohne  es  zu  verlieren.   Diese  neue  Art  sportlicher
Betaetigung  machte  ihr  Spass, und so war sie auch mit Eifer dabei.
\"Gerade  halten,  so  triffst  Du  nie!\" Forsyte begutachtete nochmal
Loefflers  Haltung,  dann  drueckte  er den Starthebel.  Sie befanden
sich  in  einem  dichten Dschungel, aus einem schmalen Pfad stuermten
rote  Gestalten,  die  sich  auf  tausenden  kleinen  Wurmfortsaetzen
schnell bewegten.  Loeffler drueckte ab, Lichtfinger griffen nach den
Aliens,  die Anstalten trafen, zurueckzuschiessen, Loeffler warf sich
auf  den  Boden  und  feuerte  weiter,  die  Gestalten sanken in sich
zusammen,  aus  den Einschussloechern kraeuselte sich der Qualm, eine
gelbliche  dicke  Fluessigkeit  sickerte  aus den Wunden, ein Quieken
wurde laut Loeffler meinte fast, den Gestank riechen zu koennen.  Vor
ihm  spritzte  die Erde auf, er warf sich zur Seite und erwischte den
feigen  Heckenschuetzen, ploetzlich erstarrte die Szenerie, ein Alien
rechts  blinkte  auf.   \"Der  hat  Dich erwischt, aber das war bisher
spitze.\"  Loeffler  meinte zumindestens, dass er auf dieser Reise ein
paar Kilo abnehmen wuerde.  Sie absolvierte noch ein paar Probefluege
im  Trainer,  die kleinen Kunststueckchen mit dem Jaeger gelangen ihr
schon  ganz  gut,  sie glitt auf den steilen Berggipfel rauf, tauchte
ein in eine lange Schlucht, in der ein Fluss stroemte, sie fuehrte um
mehrere  Ecken,  die  sie mit Bravour nahm, als dann dieser verdammte
Wasserfall  auftauchte.   Wand,  nichts  als  steile Felswand und dem
Fluss,  der  bis dahin unterirdisch verlief, sie reagierte Bruchteile
von  Sekunden  zu  spaet und zerschellte.  \"Lass mich mal.\", Loeffler
war  ganz vernarrt in diesen Simulator, als Anna austieg laechelte er
ihr  zu und begann einen atemberaubenden Schauflug.  \"Meine Damen und
Herren,  wir verlassen so eben Alpha Crucis und damit die Grenzen des
Reiches.   Traditionell  informiere  ich Sie nun darueber, dass jetzt
die   Gesetze   des   Reiches  ausser  Kraft  gesetzt  sind  und  die
schiffseigenen  nun  fuer  uns alle gelten.  Die Show kann beginnen!\"
Kapitaen  Hero  setzte  sich  wieder  und  genoss  den Jubel, der ihn
umbrandete.    Loeffler  begann  die  ungeheure  Popularitaet  dieser
Fahrten  zu  verstehen,  mit  einem  unguten  Gefuehl  begann  er die
Hindenburg  aus  dem Orbit herauszufuehren, nie haette er auch nur im
entferntesten  daran  gedacht  ein  Raumschiff  zu  steuern.   Wieder
schwenkte  ein  Planet  weg,  diesmal unter einem Kurs, den er selbst
berechnen  musste,  allerdings warf der Kapitaen ein genaues Auge auf
sein  Tun.  \"Kurs:  Ramses\" liess er auf der Wand erscheinen, was ihm
weiteren  Jubel  erbrachte.   Der Kapitaen erhob sich wieder, diesmal
mit  einem  Glas  in  der  Hand:   \"Bis  zum Eintreff am endgueltigen
Expeditionsziel  verbleiben  noch  ein  paar  Tage,  die  wir Sie gut
unterhalten  werden!\"  Die Mitte des Saales wurde hell ausgeleuchtet,
zwei  Personen  marschierten herein, Anna fluesterte aufgeregt:  \"Der
linke  ist  Schmidt!\"  \"Pssssst\"  war  Loefflers  einziger Kommentar.
Schmidt  und  der  andere  entledigten  sich  der grauen Kleidung und
erschienen  nun  wie  zwei  roemische  Gladiatoren, Schmidt hatte ein
Kurzschwert, der andere ein Netz und einen langen Dreizack.  \"Auf wen
setzten Sie?\" Loeffler wandte sich entsetzt zu Forsyte:  \"Sie meinen,
die  kaempfen?\"  \"Wofuer  machen  wir sonst eine Fahrt ausserhalb der
Grenzen,  das  hier geht niemanden mehr was an.  Also, auf wen?\" \"Auf
den  linken  natuerlich!  Eine Runde?\", Anna holf Loeffler wieder aus
der  Verlegenheit.   \"Gut,  ich  auf  den  rechten.\"  Schmidt grinste
nochmal  in  den Saal, als auf der Wand ein riesiger roemischer Adler
erschien,  die beiden Gladiatoren schienen das als Zeichen zum Beginn
aufzufassen.   Der  mit  dem  Netz  umkreiste  Schmidt taenzelnd, der
wiederum  nichts  von  einem  langen  Vorspiel  zu  halten schien, er
fuehrte  einen  Scheinangriff  auf  den  Dreizack  aus,  wie  um  ihn
wegzuschlagen,  der  andere  hob den Dreizack an, streifte Schmidt an
der  Seite  und  sah  nur noch ueberrascht drein, als Schmidt ihm die
Kehle   durchschnitt.   Loeffler  sah  nur  noch  rot,  nach  wenigen
Augenblicken  war  es  schon  vorbei,  mitten im Saal lag ein Mann in
einer  roten  Pfuetze  aus  seinem Blut, er spuerte Uebelkeit in sich
hochsteigen.   \"Gut,  Sie  haben  gewonnen,  eine  Runde.\",  Forsytes
froehliche  Stimme  brachte  ihn  nur  teilweise  in die Wirklichkeit
zurueck.   \"Das  war  ekelhaft  und  widerwaertig!\"  schrie er in der
Kabine, \"Sie haben heute Abend 7 Leute niedergemacht!\" \"Soll ich mich
fuer Sie aufschlitzen lassen, oder wie stellen Sie sich das vor?  Wir
wissen  jetzt  was  wir  wissen  wollten,  jetzt muessen wir nur noch
lebend  hier  raus.\" Loeffler schien sich zu beruhigen, hier raus war
alles  was  er  wollte,  die  Menge  da  draussen  schien sich an den
Kaempfen  nur  aufzugeilen,  er  konnte  sich fast denken, was da auf
diesem  Planeten passieren wuerde.  \"Wir duerfen uns bis zum Ende der
Reise  nicht  mehr  treffen,  ist  mir zu gefaehrlich, die exponierte
Stellung,  die  Sie  beide  hier  haben macht Sie zum Mittelpunkt des
allgemeinen  Interesses.  Deswegen rate ich Ihnen, Loeffler, auch das
naechste mal unauffaelliger aufs Klo zu gehen, wenn Ihnen etwas nicht
passt!\" Schmidt nickte Anna zu und verschwand.  \"Komm doch, die Leute
wussten genau, was sie erwartete.\" \"Schmidt scheinbar nicht!\" \"Haelst
Du  unseren Sicherheitschef fuer einen Unschuldsengel?  Bolder haette
uns niemals ziehen lassen, wenn er ihm irgend etwas ueber vermutliche
Gladiatorenveranstaltungen  erzaehlt  haette.\"  Loeffler  glaubte  an
nichts  mehr,  nur  noch  an  die Katastrophe, in der das ganze enden
musste.   Ihnen  war befohlen, ja befohlen worden in einer Stunde auf
der Bruecke in voller Ausruestung zu erscheinen und das Orbitmanoever
um  Ramses mit durchzufuehren.  \"Gut, ich sag nichts mehr!\", er legte
sich  in  sein  Bett  und  versuchte  aufzuhoeren  zu denken.  \"Orbit
ausgefuehrt\",   die   Tastatur  klappte  ins  Terminal  zurueck,  die
Umlaufbahn  war  stabil,  der  Planet  aus  dem  Film  zog  unter der
Hindenburg  vorbei.   Angespanntes  Schweigen erfuellte den Saal, der
Kapitaen  erhob  sich,  diesmal  mit einem Schwert in der Hand:  \"Sie
haben  Ihre  Anweisungen,  worauf  warten  Sie?\" Der Saal leerte sich
langsam,    in   Gruppen   verschwanden   die   Passagiere   in   den
Seitenkorridoren.   \"Ihr  beide  fliegt  mit  meinem  Zug.\",  Forsyte
strebte einem Gang zu, ohne eine Antwort abzuwarten, Anna folgte ihm,
so  dass  Loeffler  auch seinem Schicksal ergeben hinterher trottete.
Sie  kamen ueberraschend schnell zu den Hangars, wo zwoelf Jaeger auf
sie  warteten.   Drei  waren  noch frei, Loeffler fragte sich, ob die
\"Ausbildung\"  die  man  ihm verabreicht hatte, reichte um eine dieser
Maschinen  laenger  als 5 Minuten zu fliegen, er bestieg seine wie im
Traum  und  klappte  das Visier runter.  Die Stimme Forsytes zaehlte,
jetzt  voellig  unpersoenlich,  die  Sekunden bis zum Start.  \"Zero\",
automatisch  loeste  er  das  Triebwerk  aus,  ein  Droehnen  wie  im
Simulator  erfasste  die  Maschine,  aber  jetzt wurde er in den Sitz
gepresst,  er  liess die Hindenburg hinter sich und folgte 11 kleinen
Punkten  auf  seinem  Radar  und  befand  sich  schon bald, zu seiner
eigenen  Ueberraschung,  in der Wolkendecke, es verlief wieder wie im
Film,  sie  durchstiessen  die  Wolken  und  er  sah  die Waelder und
Fluesse,   ein   scharfer  Ruck  und  er  zwang  den  Jaeger  in  die
Horizontale,  auf  dem  Radar waren jetzt mehr Punkte als vorher, die
Stadt  tauchte  auf,  Loeffler flog weiter, als dann ploetzlich Laser
von  allen  Seiten aufblitzten, zuerst von ihren Flugzeugen, dann aus
Stellungen  aus  der  Stadt.  Wie in Trance sah Loeffler Maschinen um
ihm  herum feuern, manche vergingen auch in hellen Lichtblitzen, aber
meistens  waren  es Bauten der Stadt, die strahlend vergingen, kleine
Punkte  liefen  ueber  die  Strasse,  ein paar erreichten die Haeuser
nicht mehr.  Ein Haufen Flugobjekte, die keine Jaeger waren, tauchten
vor  Loeffler  auf:   \"Mensch, schiessen Sie endlich, oder wollen Sie
hier  krepieren?\", das war Forsytes Stimme, 11 Maschinen schossen auf
die  Fremden,  also  auch  Anna,  Loeffler drueckte ab.  Die Schlacht
verlief  ueberraschend  unguenstig fuer die Hindenburg, aber Loeffler
bemerkte  es  nicht  so, er schoss im wahrsten Sinne des Wortes durch
die  Stadt,  die  ihrem  Ende  nah  schien.  Neben ihm kassierte eine
Maschine mehrere Treffer und sackte ab:  \"Scheisse, hier Forsyte, ich
bin  getroffen,  holt  mich da raus!\" Loeffler sah vertraeumt auf die
Maschine,  wie  sie  auf  einer  Strasse  aufsetzte und dabei mehrere
Aliens  unter  sich  begrub,  danach  funkenschlagend  liegen  blieb.
\"Willst  Du  nichts  tuen?\"  Das  war Annas Stimme, Loeffler erwachte
langsam  aus seinem Rhytmus, eine weitere Maschine ging tiefer in das
Chaos,  diesmal  relativ  kontrolliert, aber irgendetwas drueckte sie
zur Seite an ein Hauswand, sie ueberschlug sich mehrmals und stuerzte
splitternd  in  eine  riesige Glasfensterfront.  Bevor Loeffler einen
klaren  Gedanken fassen konnte, war der Ort des Geschehens schon weit
entfernt,  er  wendete in einer Art Looping und flog zurueck.  Wieder
gerieten Alienmaschinen in sein Blickfeld, er schoss sie runter, dann
die beiden Wracks, er ging runter, die Strasse und die Gebaeude kamen
rasend  schnell  auf  ihn  zu, er unterflog eine Bruecke, rammte fast
eine  riesige  Saeule,  dann  setzte  er knirschend auf, die Maschine
schleuderte  Truemmer  zur Seite und blieb stehen.  Loeffler oeffnete
vorsichtig  das  Visier,  aber  auf  der Strasse war niemand, der den
Wunsch  hatte  ihn zu erschiessen.  Er taumelte aus der Maschine, und
atmete die Luft ein, erinnerte sich mit Schreck daran, dass sie nicht
unbedingt  vertraeglich sein musste, atmete nochmal, roch etwas Ozon,
und   begann   die  Strecke  zurueckzuwandern.   Es  war  auf  einmal
schrecklich  ruhig, Bruchstuecke lagen auf der Strasse, die Gebaeude,
soweit  sie noch standen, wieden schwere Beschaedigungen auf, von den
Bewohnern  der  Stadt keine Spur, bis auf die, die es erwischt hatte,
und  die  erinnerten  Loeffler an die Gladiatoren auf der Hindenburg.
Durch  die  Truemmerberge  kam  er  nur  langsam  voran,  bis  er die
Glasfront   mit   Annas   Maschine  erreichte.   Sie  sass  oben  mit
geoeffneten  Cockpit  und  winkte ihm zu:  \"Schoen, dass Du auch noch
mal  kommst!\"  Er  grinste  und  rief:   \"Spring  runter!\" \"Verrueckt
geworden?\"  \"Willst  Du  warten,  bis die sich hier erinnern, was los
ist?\" Sie kletterte vorsichtig aus der Maschine und liess sich an den
Armen  runterhaengen,  \"Fang  mich auf!\", und liess los.  Der Schwung
riss  beide  auf  die Strasse, wo sie lachend liegen blieb.  \"Was ist
hier so komisch?\" Anna verstummte und passte sich damit ihrer stillen
Umgebung  an.  Zu zweit erreichten sie dann Forsytes Maschine, er lag
mehr  als er auf seinem Sitz sass und stoehnte verhalten, sie mussten
ihn  rausheben, wobei er schon etwas lauter stoehnte.  \"Geschieht ihm
recht.\"  murmelte  Loeffler.  Schweigend humpelten sie zu dritt durch
die  leere Strasse zu Loefflers Jaeger zurueck.  Nichts ruehrte sich,
obwohl  sie  sich  andauernd beobachtet vorkamen, aber beobachtet von
angstvollen  Augen.   Waeren  es  Menschen  gewesen,  die dort lagen,
haette Loeffler es nicht lange durchgehalten.  Zu dritt im Jaeger war
es  ziemlich  eng,  durch  die  harte  Landung beschaedigt, stieg der
Jaeger  nur  noch  langsam,  der ganze Himmel war frei.  \"Wo sind die
anderen?\"   \"Wahrscheinlich  bei  der  naechsten  Stadt\",  fluesterte
Forsyte,  \"die hier ist erledigt.\" Loeffler schwieg sich dazu aus und
brachte  es  irgendwie  zuwege,  den Jaeger zur Hindenburg zurueck zu
bringen.   Der  Kreuzer  war nicht allein, ein fremdartig aussehendes
Schiff  hing  neben  ihr  am  Himmel.  \"Scheisse!\", murmelte Forsyte.
\"Wollen  Sie  ein  Schoko?\" Loeffler gab sich hoehnisch und hielt auf
einen  Schacht  der  Hindenburg  zu.   \"Willst  Du  das Ding da nicht
erledigen?\"  Mit dem Zeigefinger an der Stirn wandte sich Loeffler an
Anna,  aber  die  sah  nur kreidebleich auf das fremde Schiff, dessen
Ausmasse der Hindenburg aehnelten.  Der Schacht kam dunkel auf sie zu
und  huellte sie schuetzend ein.  Die Automatik fuehrte den Jaeger in
den  Hangar  zurueck, der sonst leer war, niemand wusste, wie man das
auffassen  sollte.   Die Gaenge waren nur zwielichtig beleuchtet, als
sie auf die Bruecke zurueckamen schreckte Loeffler vor jedem Schatten
zurueck.   Die letzte Tuer glitt zischend beiseite, Loeffler sah zwei
rote   Gestalten   auf  tausenden  von  kleinen  Fuessen  und  schoss
augenblicklich.   Die  Aliens  schlugen  auf  dem  Boden auf, Forsyte
kicherte:   \"Gut!\" Die Bruecke war leer, die beiden waren dort allein
gewesen.   Loeffler  schaute  sich  sein Werk genauer an:  \"Die waren
unbewaffnet!\"  \"Ist  das nicht egal?  Sie sind hier eingedrungen, und
wer  weiss,  wie  viele  hier  noch  rumlaufen!\"  \"Forsyte, sie waren
unbewaffnet,  und die in der Stadt waren auch unbewaffnet!\" \"Und mich
haben  die magischen Kraefte des grossen Sonnengottes runter geholt?\"
\"Nicht witzig!  Ich pfeiffe jetzt dieses Rudel zurueck.\" \"Stimmt, wir
muessen  die  Hindenburg  saeubern.\" Loeffler setzte sich an Terminal
und  setzte  die Meldungen ab und bekam die Bestaetigungen.  \"Was ist
mit  dem  Alienschiff,  Gerhardt,  das  ist  eine Bedrohung!\" \"Es tut
nichts, obwohl es Grund haette!\" \"Weil die Invarsoren bereits an Bord
sind!\" \"Ich habe es ueberprueft, die Mannschaft weiss von nichts, und
Hero  schlaeft  scheinbar  einen  Rausch aus!\" \"Die Mannschaft wusste
auch  nichts  von  den  beiden  da,  ich sage abknallen, wir haben da
Raketen...\"  \"Spinnen  Sie  eigentlich?   Fahren hier im Rahmen einer
Kreuzfahrt  her  um  diesen  Massenmord zu begehen, ich mach da nicht
mit!\"  \"Ueber der Stadt warst Du noch ganz gut drauf.  Wollen wir mal
vernuenftig  sein,  die  beiden  sind unbemerkt an Bord gekommen, wer
weiss, wie viele Tricks die noch haben.  Ueberlege mal, was passiert,
wenn  die von uns rausbekommen, wo wir herkommen, wie es dann bei uns
aussieht,    kannst    Du    das   verantworten.\",   Forsyte   sprach
einschmeichelnd.   \"Wenn  Du das Schiff haben willst, dann loese doch
selbst  die  Raketen  aus.  Du warst ja schon oefter hier!\" \"Nein, DU
wirst dieses Schiff vernichten, DU warst bis jetzt dabei, jetzt bring
es  zu  Ende!\"  schlug  es  Loeffler  entgegen.  Er schrie:  \"Du bist
verrueckt, uebergeschnappt, wie soll man es sonst nennen?  Ihr spinnt
hier  doch  alle!  Wir haben seit Jahren Frieden, uns geht es gut, da
ruesten ein paar Kriminelle dieses Schiff aus und machen dort weiter,
wo  wir  zuletzt  aufgehoert  haben.   Was  bringt  das, Krieg um des
Krieges   willen?\"  \"Genau,  besser  der  Agressionstrieb  wird  hier
draussen   befriedigt,   als   bei   uns  im  Reich.   Das  ist  doch
vernuenftig!\"  \"Die Regierung wird Euch dafuer bestrafen, ihr gehoert
alle,  wer weiss wohin, aber nicht mehr zu normalen Menschen!\" \"Diese
Regierung hat das Schiff aeusserst guenstig abgegeben, meinst Du, sie
weiss  von  nichts?   Oder dass aus Kostengruenden keine Schiffe mehr
offiziell  ausserhalb der Grenzen fahren?  Du stellst Dir aber unsere
Gesellschaft  harmlos  vor, wir SIND NORMALE Menschen!\" Loeffler sass
vor   dem   Terminal,   das  ihm  die  Warnung  \"Feindliches  Schiff\"
entgegenhielt,  die  Reihe  Tasten, die ganzen Videosimulationen, die
populaeren  Filme  und  Romane,  Massendemonstrationen  zu Hause, die
steigene Verbrechensrate, die Kriege von frueheren Jahrhunderten \"Wir
sind  Raubtiere!\",  fluesterte  Forsyte,  Loeffler sah sich wieder im
Simulator,  wie  er  auf  Ufos  schoss,  und  im echten Jaeger, wo er
ebenfalls  auf  Ufos schoss, wo lag der Unterschied?  Das Konzept war
das  gleiche,  die  Begruendung  hiess bei beiden ungefaehr \"Nur so\".
Hatte   sich  die  Menschheit  irgendwann  in  die  falsche  Richtung
entwickelt,  oder  war  die  Hindenburg die letzte Konsequenz?  Seine
Finger glitten ueber die Tastatur, ganz langsam, es klackte, irgendwo
auf  der Hindenburg oeffnete sich ein Schacht, eine Rakete erhob sich
langsam  und  flog  ihrem  Ziel  entgegen, schneller werdend, auf der
grossen  Wand  sah  Loeffler nur noch eine Sternschnuppe, die auf dem
seltsamen  fremden  Schiff  niederging,  die ganze Halle wurde danach
fuer  Sekunden in blendendes Licht getaucht, dann war da nichts mehr,
nur  Myriaden  weisser  Punkte,  von  denen  ungefaehr  1500  auf die
Hindenburg  zurueckehrten.   Ihm  wurde  klar,  dass  er gerade einen
endgueltigen  Fehler  gemacht  hatte,  er hatte den Teil seiner Rasse
verraten,  der  niemals auch nur einen Fuss auf dieses Schiff gesetzt
haette.
                                                          (SNORR)

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