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Michel Houellebecq - Plattform
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boris



Beiträge: 10152

Titel: Michel Houellebecq - Plattform
Verfasst am: Mo, 17 Apr 2006, 17:17
Beitrag
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Michel Houellebecq - Plattform

Nach dem genialen "Elementarteilchen" und dem meiner Meinung nach todlangweiligem "Ausweitung der Kampfzone", habe ich mich noch einmal an Houellebecq herangewagt - diesmal wurde ich nicht enttäuscht.

Story:
Die Hauptperson, Michel, ist vierzig und erbt einen Stapel Geld, als sein Vater stirbt. Von einem Teil des Geldes fährt er nach Thailand, lernt dort die 13 Jahre jüngere Valerie kennen, trifft sie zu Hause wieder und verliebt sich in sie.
Sie arbeitet in der Tourismusbranche, gemeinsam mit einem anderen Typen und ein paar Ideen von Michel bauen sie bei einer großen Ferienclub-Kette ein spezielles Angebot aus, das Einheimischen erlaubt, in den Hotels als Prostiuierte zu arbeiten - was sonst nicht geht, aber das Konzept funktioniert und schlägt ein wie eine Bombe.
Ich verrate nicht zuviel (im Klappentext stehts auch schon drin, was mich eigentlich ziemlich geärgert hat, da ich soviel von der Story eigentlich im Vorraus nicht wissen will - wer das Buch also noch lesen will, sollte diesen Absatz überspringen), wenn ich erzähle, daß eine echte Bombe auch noch eine gewisse Rolle spielt, denn Valerie kommt bei einem Anschlag muslimischer Extremisten in einem der Clubs ums Leben.

Houellebecq ist Klasse. Er schreibt schnell und genau, explizite Szenen fehlen natürlich auch hier nicht. Was mich aber viel mehr beeindruckt hat, ist die Präzision und Kenntnis der Umstände der Tourismusbranche. Wie er die Probleme und Lösungen präsentiert, läßt den Leser glauben, er arbeite selbst in dieser Branche. Entweder das, oder er hat sich sehr genau informiert ... oder aber: er hat sich einfach alles komplett ausgedacht, das aber so dargestellt, daß man es ihm einwandfrei abnimmt. Wie auch immer: Respekt.
Houellebecq beschreibt auch nicht bloß - selbst, wenn seine Hauptfigur fast vollkommen apathisch und desinteressiert ist, wird doch nicht mit Analysen und Prognosen gespart, die meist etwas zynisch, trotzdem aber oft zutreffend sind und philosophische wie auch aktuelle Themen (und Figuren des "echten" Lebens) nicht auslassen.

Alles in allem: eine deftige, harte Story, trotzdem noch eine Liebesgeschichte, aktuell, aber nicht aufklärerisch-politisch sondern sehr persönlich. Und fesselnd geschrieben ist das Buch auch noch, ich habe die über 300 Seiten in rasanter Zeit inhaliert.

Absolute Empfehlung !


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