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[TXT] Magic Cee - Der lange Weg zum Erfolg
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Der Archivar



Beiträge: 160

Titel: [TXT] Magic Cee - Der lange Weg zum Erfolg
Verfasst am: Mo, 04 Apr 2011, 19:29
Beitrag
Antworten mit Zitat

Autor: Magic Cee
Datum: 01-NOV-86

Code:
Magic Ceee / 01-NOV-86 / File ERFOLG.txt
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          Der lange Weg zum Erfolg - Nachtgedanken von Magic Ceee


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Auch wenn die Ueberschrift darauf hinweisen sollte und selbst, wenn ich ab und
an ein Schreibgeraet namens Kuli verwende, bin ich doch nicht mit  der gleich-
namigen Person verwandt, verschwaegert oder verheiratet. Das  heisst, so sicher
sollte man sich da nicht sein, man weiss ja nie. Ich werde  diese  Tatsache als
Anregung vermerken und demnaechst einmal meinen Stammbaum erforschen lassen. Es
ist aber, wenn ich\'s recht bedenke, ziemlich  zwecklos, da Gott ja  bekanntlich
seinen Ursprung in sich selbst hat; ich bin also meine  eigene  Verwandtschaft.
Dies mag zunaechst als Nachteil erscheinen, aber auf diese Weise bleibe ich von
ungebetenem Besuch verschont. Nein, ich bin sicher, ich bin nicht mit dem Show-
master und charmanten Plauderer verwandt.Also gut. Dann kann er sich wenigstens
nichts darauf einbilden.Aber wie ich mal wieder feststelle, ist es an der Zeit,
dass ich mir eine Zigarette anzuenden und zum eigentlichen Thema kommen sollte.
Moment...<hust>...ok.
Tja, der Erfolg. Wer haette ihn nicht gerne, mit all seinen positiven  Nebener-
scheinungen, z.B. Ruhm, der zwar angenehm ist, aber den Nachteil  hat, dass man
sich von ihm, wie man mir glaubhaft versicherte, nicht ernaehren kann? Wenn ich
mir den vorherigen Satz ansehe, dann muss ich bemerken, dass ich zeitweise dazu
neige, recht komplizierte Satzgebaeude zu erstellen. Nunja. Dies beweist einmal
mehr, dass Schreiben eine Sache des Intellekt und der Intelligenz ist. Aber ich
kenne euch: das eben Gesagte glaubt ihr mir natuerlich nicht. Aber man  hat mal
an verschiedenen Universitaeten der Welt Tests durchgefuehrt, die beweisen,dass
die Ausdrucksweise und die Verwendung von speziellen Termini bereits im Kindes-
alter gepraegt wird; was sich natuerlich wiederum auf den  spaeteren Erfolg  im
Leben auswirkt, womit wir wieder beim Thema waeren.
Erfolg beim Fernsehen zu haben ist in der heutigen Zeit recht schwer, zumal die
Zeit und die Leute sich gewandelt haben. Gab es frueher pro Stadt  nur eine ge-
ringe Anzahl von Fernsehapparaten, so sind wir heute schon soweit, dass wir pro
Haushalt mehrere brauchen. Und die Leute vergessen ziemlich schnell,sogar dann,
wenn etwas spektakulaeres Erwaehnung findet, man denke nur an meinen legendaer-
en Auftritt in der \'Aktuellen Stunde\'. Noch einen Tag  nach der  Sendung gingen
Glueckwunschkarten, Geschenke und  Heiratsangebote bei  mir ein, letztere sogar
waschkorbweise.Ich nahm diese Tatsache nicht nur wohlwollend zur Kenntnis,nein,
auch zum Anlass mir Visitenkarten drucken zu lassen. Sie  gingen weg  wie warme
Schenkel (keuch) und manchmal, an langen Winterabenden, da  breite  ich sie vor
mir aus, denn sie spenden Trost. Und ich  kann  Trost  gebrauchen, denn niemand
fragt mehr, ob ich ihm eine geben koennte, ja, selbst auf der Strasse dreht man
sich nur noch nach mir um, wenn ich ohne Hose(n) unterwegs bin. Dieses Beispiel
demonstriert wohl anschaulich, wie schnell die Menschen vergessen.
Aber es gibt ja nicht nur das Fernsehen.Oder besser gesagt: kommt man nicht di-
rekt daran bzw. hinein, dann eben ueber Umwege, z.B. ueber die Musik. Aber auch
hier das bekannte Bild: gezeigt werden meist nur alteingesessene  Gruppen. Oder
sollte ich mich irren? Ja, ich glaube schon, denn  in der  juengsten Vergangen-
heit machen immer mehr Kuenstler Furore, wobei ich bemerken muss, dass  ich sie
nicht mehr  unterscheiden kann, da sie a) gleich  aussehen, oder b) das gleiche
singen. Ich sehe hier eine Chance. In der Tat, ich glaube, ich werde von nun an
auch so einer. Ist ja recht einfach, man  braucht sich nur: lange, blonde Haare
wachsen zu lassen, neun mal pro Woche auf die  Sonnenbank  zu  gehen, dann noch
kastrieren zu lassen und Lieder im 5te-Schuljahr-Englisch  vorzutragen. Als Ab-
schluss noch ein Name mit Pep und sozialkritischem Hintergrund, mir  schwebt da
zum Beispiel \'Modern Talking\' o.ae. vor, falls es das noch nicht gibt. Ja,  ich
glaube, hier liegt meine grosse Chance, nicht nur  Erfolg im Fernsehen, sondern
auch bei den Maedels zu haben.
Schade, dass ich kein gescheiterter Sportler bin, sonst haette ich sicher schon
einen Fernsehvertrag in der Tasche,etwa bei der Sendung \'Der Apfel faellt nicht
weit vom Pferd\' oder so. Nunja, man kann nicht alles haben. Was bleibt also ue-
brig, dem Erfolg ein wenig nachzuhelfen? Das Radio scheidet leider aus, da  man
da soviel reden muss, was ich ja bekanntlich verabscheue, zumindest, soweit  es
den oralen (nicht analen) Bereich betrifft. Ich schreibe viel lieber. He!  Neue
Perspektiven eroeffnen sich, zum einen, weil ich gerade  meine  Hose  geoeffnet
habe, zum anderen, was meine spaetere Laufbahn als Schriftsteller betrifft. Ich
sollte wirklich dieses Metier ergreifen. Aber auch da hat sich  einiges veraen-
dert, taeglich kommen abertausende neue Buecher auf den Markt,ich wuerde in der
Masse untergehen. Man, was muss das eine Zeit gewesen sein, als der Walther von
der Vogelweide oder Friedrich von Hagedorn noch aktiv waren! Was? Die kennt ihr
nicht? Ungebildetes Pack. Aber das liegt mal wieder daran,dass den oben genann-
ten Schreiberlingen kein solcher Erfolg vergoennt war,wie ihn  Goethe  oder an-
dere Stuermer und Draenger fuer sich verbuchen koennen. Aber  man muss ja keine
Lyrik auf den Markt werfen,es reicht ja schon eine Ueberarbeitung von Standard-
werken, etwa der Bibel. In diesem Zusammenhang faellt  mir  ein, dass ich viel-
leicht in der falschen Zeit lebe, macht man sich  einmal klar, dass es frueher,
wo die Bildung im Volke noch  nicht so  fortgeschritten  war, in den Haushalten
nur ein einziges Buch gab - eben die Bibel. Es ist zum Kotzen. Man stelle  sich
einmal vor, wie die heutige Welt aussehen wuerde, wenn  all  unsere  Ahnen nach
den Lehren meiner neuen heiligen Schrift erzogen  worden  waeren! Phantastische
Aussichten, aber leider nur Fiktion. Science Fiction! Vielleicht doch noch  ein
Weg, Erfolg zu haben? Wuerde es mir gelingen, ein Werk wie \'Brave New World\' in
den Schatten zu stellen, wobei ich bemerken moechte, dass dieses Buch schon  im
Jahre 1921 seine Verbreitung fand?
Ich bin pessimistisch gestimmt. Aber es muss doch etwas geben,etwas, worauf die
Welt seit dem Jahre 1966 wartet. Ich muss euch entaeuschen. Ich habe nicht vor,
Selbstmord zu begehen. Aber da wir schon mal auf dem religoesen Pfad waren,will
ich an dieser, unserer Stelle wieder dorthin zurueckkehren. Ich werde Guru. Ich
werde in die Wueste gehen,mir einen langen Bart wachsen lassen und zwoelf Jahre
lang keinen Ton sagen,um mich der Erleuchtung zu widmen. Dann kehre ich,in Lum-
pen gekleidet, zurueck und verteile Flugblaetter. Geld macht ungluecklich, gebt
es mir, dass ich fuer euch leide. Spaeter dann, wenn der  Konzern blueht, werde
ich einige andere Berufszweige miteinbeziehen,etwa Bauunternehmen und Gaertner-
reien. Aber ich brauche dann eine gute Sekretaerin, die  keinerlei Neigung dazu
hat, mit der Kasse abzuhauen. Denn ohne Geld kann ich nicht  fuer  euch leiden.
Aber wenn ich es mir genau ueberlege - eigentlich bin ich fuer sowas nicht  ge-
boren.
Aber wofuer dann, verdammt? Wieso bin ich noch immer unbekannt? Wieso liebt man
mich nicht? Wieso kennt man mich nicht? Wieso  drueckst du jetzt CTRL-C? Ist es
denn wirklich so schwer, sich ein Stueck vom Kuchen marke Erfolg abzuschneiden?
Es sieht in der  Tat so aus. Bleiben nur  noch die  sogenannten \'Neuen Medien\'.
Doch auch hier  wird es  zunehmend schwerer, sich  zu behaupten. War es gestern
noch ein Konrad Zuse, so ist es heute ein zahlloses Heer von Computerbesitzern,
die die neue Technik schamlos ausnutzen. Man denke nur an all die bedauernswer-
ten Kreaturen,die Nacht fuer Nacht vor ihrem Amiga sitzen und bloedsinnige Tex-
te eingeben. Nein, nein, das ist nichts  fuer mich. Ich  werde Terrorist. Damit
schlaegt man in der Tat viele Fliegen mit einer Klappe, die Presse, das Fernse-
hen, ja, selbst die Polizei - alle bemuehen sich, ein Interview zu bekommen.Das
Am2:Files/CEEE-TXT/1082WAOOAussichten, aber leider nur Fikterbelebung  der
Buerokratenopfer.
Und wenn\'s irgendwann irgendwo knallt - ich war\'s. Autogramm gefaellig?

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