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[TXT] Magic Cee - Ein Tag aus meinem Leben
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Der Archivar



Beiträge: 160

Titel: [TXT] Magic Cee - Ein Tag aus meinem Leben
Verfasst am: Mo, 04 Apr 2011, 20:26
Beitrag
Antworten mit Zitat

Autor: Magic Cee
Dateidatum: 14.8.2004

Code:
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                          Ein Tag aus meinem Leben

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Obwohl es sich fuer einen Zauberer in meiner Position eigentlich nicht gehoert,
aus seinem Privatleben zu berichten, moechte ich mich dennoch  heute  in dieser
Form aufdraengen, da man mir schon oft nahegelegt hat, einmal was  Intimes  aus
meinem Leben zu berichten. Nunja. Intimes laeuft im Moment  nicht  viel, da  es
sich bei den Maedels wohl herumgesprochen hat, dass ich verrueckt bin. Nun gut.
Sie werden schon sehen, was sie davon haben. Sie haben naemlich das Glueck, von
mir verschont zu bleiben. Aber ich fange schon wieder mittendrin an. Huch!  Was
laeutet denn hier? Achja, der Wecker,der mich jeden Morgen auf unangenehme Wei-
se aus meinen perversen, vor Sex und Gewalt strotzenden Traeumen reisst, in de-
nen ich seltsamerweise immer die Hauptrolle spiele. Genau genommen habe ich gar
keinen Wecker, das heisst, ich habe schon einen, aber ich  weiss nicht, wie man
ihn dazu bringt, zu wecken. Also habe ich meine Mutter beauftragt, jeden Morgen
puenktlich um 07:15 meine Tuer zu oeffnen und die rasselnde Klingel  eines Wek-
kers nachzuahmen. Die arme Frau. Ich werde ihr bei Gelegenheit eine Packung Tee
zum Gurgeln kaufen.
Aber heute ist alles irgendwie anders.Wieso klingelt meine Mutter nicht? Achja,
es sind ja Ferien. Zu dumm. Wen es interessiert: auch wenn es  so aussieht, ich
bin mittlerweile aus der Grundschule entlassen (die schlimmsten 3 Jahre  meiner
Schulzeit...die erste Klasse...) und besuche nun, aufgrund meiner ueberragenden
geistigen Faehigkeiten, die Jahrgangsstufe 13 einer Koelner Schule,die ich lei-
der nicht namentlich erwaehnen kann, da sie  keinen hat. Genau  genommen  waere
ich schon laengst in der 15ten Klasse. Aber egal, jeder macht  mal Fehler. Auch
die Lehrer, die mich so noch ein Jahr laenger ertragen  muessen. Das haben  sie
davon. Nun gut. Dann stehe ich eben noch nicht auf,sondern ergoetze mich weiter
an einem Traum, in dem ich gerade, nur mit Moto-Cross Stiefeln und Helm beklei-
det, eine Horde Nonnen auspeitsche und dabei die Los Angeles Times lese. Hm.Ich
sollte vielleicht mal einen Arzt aufsuchen. Aber nicht jetzt. Ich  moechte noch
etwas schlafen und peitschen. Ploetzlich bemerke ich eine beklemmende  Spannung
im Unterleib. Kein Zweifel. Es ist soweit. Ich muss pinkeln. Ich wanke aus  dem
Bett, das heisst, ich waere aus dem Bett gewankt,wenn das Bett mich haette wan-
ken lassen.Denn ich als erster Verfechter des Freistil-Schlafes bleibe mit ele-
gantem Schwung mit dem linken Fuss in der Bettdecke haengen, um darauf  mit ei-
nem nicht minder elegantem Schwung aus dem  Bett  zu  fallen. Gluecklicherweise
bleibt der Sturz ohne Folgen, da mein Bett fasst ebenerdig ist. Ich  stehe  auf
und versuche, den Lichtschalter zu betaetigen, der seltsamerweise immer  an dem
Punkt des Zimmers ist,von dem man am weitesten entfernt ist. Nun gut. Dann muss
ich eben im Dunkeln den Abort aufsuchen, was aber  nicht so  schwer ist, da das
summende Geraeusch der Fliegen eine gute Orientierungshilfe  darstellt. Mit be-
tonter Laessigkeit verrichte ich meine Notdurft, schiesse hier und da  ein paar
Fliegen ab, jedoch reicht es noch nicht,um mir einen Guertel mit der Aufschrift
\"Sieben auf einen Streich\" zu sticken.
Da aber Meister bekanntlich nicht vom Himmel fallen, sondern aus Uebung gemacht
werden,kann ich euch versprechen: ich arbeite hart dran. Egal.Zurueck ins Bett,
das mich mit wohliger Waerme empfaengt. Das tut gut. So  frueh  am  Morgen. Ein
Blick auf die Uhr bestaetigt meinen Verdacht. 13:36 Uhr. Oh, Gott. Es klingelt.
Ich kenne nur einen, der es wagt, mich so frueh aus dem  Bett  zu  werfen: mein
alter Freund Juergen. Ich weiss schon, was  jetzt  kommt: meine Mutter  oeffnet
planmaessig die Wohnungstuer, empfaengt den ungebetenen Gast mit  einem freund-
lichen \"...Tach, Juergen...wenn mich  nicht alles taeuscht, dann schlaeft Joerg
noch!\"Dessen ungeachtet oeffnet sich mit erbarmungsloser Haerte die Tuer meiner
Kammer, ich sehe die schemenhaften Umrisse einer mir  bekannten  Figur. Den nun
folgenden Ausspruch koennte ich bei jeder Begegnung dieser Art simultan und ab-
solut lippensynchron mitsprechen: \"Das darf doch wohl nicht wahr sein! Da liegt
der Kerl im Bett und pennt!\". Also, sowas. Ich, als schwer  arbeitender  Mensch
muss mir sowas anhoeren. Ein Witz. Ich lache vorschriftsmaessig (HA-HA) und be-
ginne mit einer Streck- und Raeckeleinlage,um dem Eindringling unmissverstaend-
lich klarzumachen, dass ich eigentlich noch schlafen moechte. Ich weiss es auch
nicht: entweder, er begreift es nicht, oder er ist ein so  guter  Schauspieler,
dass er sich nichts anmerken laesst - wie dem auch sei, er beachtet mein demon-
stratives Gaehnen nicht und fragt: \"Also, was machen wir heute?\" \"Schlafen\", so
lautet meine uebliche Antwort.
Es hilft nichts - er laesst nicht locker. Er spielt  am  Lichtschalter, mit der
klaren Absicht, mich psychisch fertigzumachen. Also gut. Er hat mal  wieder ge-
wonnen. Ich erhebe mich (betont langsam) und torkle ins Bad. Ein  Blick  in den
Spiegel. Oh,man. Im ersten Moment dachte ich, ich haette Besuch, aber ich bin\'s
tatsaechlich. Rasieren faellt heute aus, Zaehneputzen und Waschen  hingegen na-
tuerlich nicht. Irgendwie geht es mir schon etwas  besser, was ein  neuerlicher
Blick in den Spiegel beweist - da  ist  es  ja  wieder, jenes junge, dynamisch-
froehliche Gesicht. Ich liebe mich. Die Wahl der Kleider macht fast  keine Pro-
bleme, da fast alle in der Waesche sind. Egal. Ich frage, ob was es  zum Frueh-
stueck gibt. Rouladen, Kartoffeln, Nudeln und Gemuese. Nicht schlecht, kann ein
Tag besser beginnen? Ich schlinge hastig ein paar Tassen  Kaffee  hinunter, mit
viel Zucker und noch mehr Milch und trete gemeinsam mit  meinem  Freund  in den
Tag hinaus. Wirklich, ein schoener, heiterer Tag. Nur der  Regen stoert ein we-
nig.
Mit federnden Schritten erreiche ich das Auto meines  Freundes, und  wir fahren
ein wenig spazieren. Seltsamerweise endet die  Spazierfahrt fast  immer vor der
Universitaetsbuchhandlung. Hat er es mal wieder geschafft. Ich spare  mir meine
Flueche fuer meine Traeume und helfe ihm beim Einladen unendlich vieler Pakete.
Kein Zweifel, da muessen Goldbarren drin sein. Juergen belehrt mich,dass es nur
\"ein paar Buecher\" seien. Ich schwitze den Kaffee wieder aus und sinke erschla-
gen auf den Beifahrersitz. Wieso falle ich immer wieder  darauf rein? Ich weiss
es nicht. Als Trost endet der zweite Teil der Fahrt vor  einem  Eiscafe, in dem
mein alter Freund mir einen Milchshake spendiert, den  ich  seltsamerweise aber
selber bezahlen muss. Wir verlassen das Cafe und besuchen ein paar Freunde, was
immer recht lustig ist, da auch sie noch fast alle im Bett liegen. Unglaublich.
Um 16:00 Uhr noch im Bett liegen. Welch ein Verfall  der  Sitten. Unter  lauten
Protestrufen verlange ich, dass man mich nach  Hause  faehrt. Nanu. Ich zittere
ja. Kein Wunder, seit 14 Stunden habe ich den Computer nicht angeschaltet.  Ich
frage mich, ob er unter einer  derartigen  Vernachlaessigung  leidet. Als Trost
lade ich einen Texteditor und schreibe diesen Mist hier.
Aber das ist eine Luege. Ich habe naemlich zuvor einige Bilder gemalt. Gefallen
mir gut. Ich sollte Kuenstler werden und anfangen zu trinken. Apropros Trinken.
Meine Kehle ist wie ausgedoehrt. Ich schleppe mich muehsam zum Kuehlschrank und
erblicke eine Flasche Cherry-Cola.Es tut mir leid,aber ich muss sie austrinken.
Die folgenden Geraeusche erspare ich mir mit Ruecksicht auf das  schwache, aber
dennoch notwendige Geschlecht (stoehn). Nun gut. Es ist inzwischen 22:49. Selt-
sam.
Was habe ich denn die ganze Zeit gemacht? Keine Ahnung. Ich  hoere  auf mit dem
Malen und lade ein anderes Programm. Recht lustig,ich produziere ein onanieren-
des Maennlein. Gefaellt mir. Zum totlachen. Aber  weg  mit  diesem Ferkelskram.
Jetzt endlich lade ich einen Texteditor und schreibe.Schreibe mir alles von der
Seele, versuche eine Interpretation des Existenzialismus, die jedoch wegen man-
gelnder Sachkenntnis scheitert. Nun gut. Dann schreibe ich eben ueber mich. Ei-
gentlich gibt\'s da ja nicht viel. Aber das ist mir egal. Dann erfinde  ich halt
was, machen ja schliesslich alle.

C by Magic Ceee

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