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[TXT] Kotzbrocken - Die Kunst des Spannens
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Der Archivar



Beiträge: 160

Titel: [TXT] Kotzbrocken - Die Kunst des Spannens
Verfasst am: So, 03 Apr 2011, 21:56
Beitrag
Antworten mit Zitat

Autor: Kotzbrocken
Dateidatum: 14.8.2004

Code:
Die Kunst des Spannens  by J.Tschech
----------------------
Eine Satire. Von Joseph Tschech. Von Kotzbrocken.
Gedacht fuer alle Maenner, die ein unterhaltsames Hobby suchen.

Sittenstrolche haben ein richtig doofes Image. Zugegeben: Typen wie Honka,
Himmler und der Barmbeker Vibrator-Moerder haben das auch irgendwie verdient.
Aber was ist mit dem Rest ?  Was ist mit den Millionen ehrenwerten Perversen,
die ihre Frauen vergewaltigen, Pisse saufen und in Damenunterwaesche
schlafen ? Sollen sie auf immer von der Gesellschaft geaechtet bleiben und
wie Drogensuechtige an deren unwirtlichen Abgrund gedraengt werden ?
Sollen sie sich den letzten Spass verderben lassen ?

Ich, zum Beispiel, bin Spanner.
Kein gewoehnlicher Voyeur, sondern ein Geniesser mit Blick auf das Gute.

Tag fuer Tag koennte ich Dutzende von blanken Bruesten beobachten, die sich
direkt vor meinem Fenster auf der Liegewiese in Berlin-Halensee ausbreiten.
Manchmal kann ich sogar ohne Fernglas tief in die Gebaerkanaele der Sonnen-
badenden hineinschauen. Ich will aber nicht.
Da springe ich lieber die halbe Nacht am Klofenster im Hof herum und
beobachte eine verhutzelte alte Jungfer beim Buegeln, Kochen und Fernsehen,
in der Hoffnung, dass ich sie irgendwann in ihrem knoechellangen Nachthemd
erwische.

Spannen ist wie Jagen, nur dass es hinterher meistens keine Leichen gibt.

Trotzdem lebe ich gefaehrlich.
Nie werde ich vergessen, wie ich in einer Umkleidekabine des Strandbads
Wannsee beinahe einem Herzinfarkt erlag:
Zuerst waren da die Loeecher in der Wand, von Kollegen vorgebohrt, durch
die ich (fasziniert und angewidert zugleich) den schrumpeligen Unterleib
einer aelteren Dame betrachtete.
Dann war da ploetzlich, anstatt dieser Monstervagina, ein Auge, dass mich
von der anderen Seite anstarrte.
Und dann hoerte ich nur noch Geschrei und Gebruell, eine Meute bigotter
Buerger schlug gegen die Tuer, rief \"Komm raus, du Sau!\" und labte sich
an der kollektiven Wut.

Die Stunden, die ich in der engen, nach Schweiss und Pisse stinkenden
Umkleidekabine verbrachte, gehoerten zu den grausamsten meines Lebens.

Als 14-jaehriger beobachtete ich mal ueber einen laengeren Zeitraum
hinweg eine etwa 30-jaehrige Nachbarin. Ich glaube, sie wusste von mir,
denn sie hielt mich oft stundenlang hin, um mich zum Schluss jedesmal
doch noch mit der entbloessten Brust oder dem geoeffneten Bademantel
zu belohnen...
Eines Abends verlor ich aber die Geduld, von der Kueche aus begann ich,
zuerst Reiskoerner, dann Kekse und Wuerfelzucker und spaeter Huehner-
fleischbrocken gegen ihr Fenster zu werfen.
Als sie nicht reagierte, griff ich zu einem Apfel der Sorte \"Golden
Delicious\", und die Fensterscheibe zerbarst.

Danach lebte ich in der staendigen Angst, sie koennte mich bei meinen
Eltern denunzieren und Schadenersatz fordern.

Ich bot Gott ein Geschaeft an: Dafuer, dass die Nachbarin stillhielt,
duerften mich meine Eltern beim Onanieren erwischen -  oder, schlimmer
noch, ich sie beim ehelichen Sex.

Gott nahm beide Angebote an.

Wie spannt man am besten ?  Niemals nackt, hoechstens mit geoeffnetem
Hosenstall. Zum Einen, um sich von der primitiven Spezies der
Exhibitionisten zu unterscheiden, bei denen schon die lateinische
Gattungsbezeichnung auf das Pathologische ihres Tuns verweist.
Und schliesslich haben Spanner in der Regel ein gehobenes intellektuelles
Selbstverstaendnis, nicht zuletzt deshalb, weil in erster Linie Akade-
miker und Freiberufler (so wie ich) die meiste Zeit haben, um zu Hause
herumzulungern, die Telemail anzurufen, oder aus dem Fenster zu starren.

Vor allem aber darf ein Spanner niemals unbekleidet sein, damit er erstens
so lange wie moeglich unauffaellig bleibt, und ihm zweitens im Falle
einer Strafanzeige zumindest der sozial so niederschmetternde Vorwurf
der Perversitaet erspart bleibt.

Nur Dummkoepfe spannen aus hellerleuchteten Zimmern heraus. Profis dagegen
loeschen in der gesamten Wohnung das Licht und ziehen sogar in den gegen-
ueberliegenden Raeumen die Gardinen zu, um nicht im Gegenlicht der
Strassenbeleuchtung eine verraeterische Silhouette abzugeben.
Kenner retten sich ausserdem niemals, hat man sie entdeckt, mit einem
peinlichen Hechtsprung unters Fensterbrett. Sie gehen stattdessen in die
Offensive, reissen das Fenster weit auf, beugen sich vor, und atmen laut
und geniesserisch und demonstrativ die laue Fruehlingsluft ein.

Soweit meine Tips fuer alle Maenner, die zuviel Zeit haben, und sich mal
wieder richtig amuesieren wollen. Vielleicht treffen wir uns ja mal -
am naechsten Fenster... oder in der Psychiatrie... oder...

...in der Telemail...

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