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Italo Calvino - Der geteilte Visconte
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boris



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Titel: Italo Calvino - Der geteilte Visconte
Verfasst am: Di, 21 März 2006, 13:14
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Italo Calvino - Der geteilte Visconte

Italo Calvino ? Noch nie was von gehört - allerdings war das der zweite Teil der Empfehlung (s. Rezension von Lars Gustafssons "Nachmittag eines Fliesenlegers", hier), was man anstelle von Paul Auster lesen könne.
Hier tritt man allerdings in ein ganz anderes Genre ein ... auf dem Rücken steht etwas von "Märchen" und das kommt auf jeden Fall schonmal ganz gut hin.

Story:
Der Visconte wird im Krieg verwundet - aber nicht nur verwundet, sondern seine eine Hälfte (das lasse ich mal so stehen) wird komplett weggefegt, als er dummerweise vor eine Kanone läuft, die gerade losgeht. Ab sofort ist er "geteilt" - und was im wahrsten Sinne des Wortes: ein Bein, ein Arm, halber Kopf, ein Auge, ein Ohr, etc. etc. - und das geht natürlich nur im Märchen, aber Calvino beschreibt diesen Umstand so selbstverständlich, daß man es ihm gerne abnimmt.
Der geteilte Visconte kehrt zurück in seine Heimat und bald fällt den Bewohnern auf, daß er nicht nur halbiert wurde ... seine böse Hälfte ist zurückgekehrt und fortan überzieht er die Gegend mit seiner Schreckensherrschaft, schikaniert Leute wo er nur kann, selbst seinen Neffen (den Erzähler der Geschichte). Allerdings ist er überhaupt nicht unglücklich über seine Teilung, er empfindet sich so "ganzer" als vorher, als zwei Seelen "ach in seiner Brust" wohnten.
Als er sich in ein Mädchen verliebt, nimmt die ganze Sache eine Wendung, denn plötzlich taucht die andere Hälfte seiner selbst auf, die von der Kanone nicht einfach zerfetzt wurde, sondern jetzt ebenfalls als geteilter Mensch (allerdings die "gute Seite") herumläuft (naja, humpelt) und sich dabei ebenfalls ganz wohl fühlt ... allerdings verliebt er sich in dasselbe Mädchen und es kommt zur Konfrontation.

Calvino variiert hier das "zwei Seelen"-Thema auf recht gekonnte Weise - vor allem beeindruckend ist die Darstellung, wie beide Hälften sich jeweils als "ganz" (weil pur gut oder böse) fühlen, dabei aber beide (!) bei den anderen Menschen nicht beliebt sind, der eine, weil er Böses tut, der andere, weil er mit seinen guten Taten nervt (so versucht er z.B. permanent, die Bauern dazu zu bringen, ihr überschüssiges Getreide zu verschenken statt zu verkaufen).
Insgesamt ein nettes Märchen (nur keins für Kinder), eine tolle Idee gut umgesetzt. Trotzdem für mich kein Anlaß, unbedingt mehr von Calvino zu lesen, da mir die "fabelhafte" Erzählung insgesamt doch ein wenig abgehoben ist.


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