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Große und kaum noch zu überbietende Rioja-Weinverkostung
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UncleR



Beiträge: 2084

Titel: Große und kaum noch zu überbietende Rioja-Weinverkostung
Verfasst am: Do, 05 Okt 2006, 23:07
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...und ich bin dabei, YESSS!

Morgen Abend findet bei Silke Spruch (Silkes Weinkeller) die große Verkostung der Allende-Vertikale 1997-2004 statt.

Mit von der Partie neben den beiden Gastgebern Silke und Wolfgang sind sechzehn handverlesene Auserwählte, die sich einer großen Herausforderung gegenüber sehen: ultimatives Gaumenmessen mit den größten Rioja-Kreationen der Bodega Allende.

Durch die Verkostung führt die Exportleiterin der Bodega, Nathalie Lebouef.

Auf meinem Notizzettel stehen dann hoffentlich aussagekräftige Hinweise zu den erlesensten und edelsten Weinen (Aurus, Calvario, Allende), die mit allerhöchsten Bewertungen und Vorschußlorbeeren den Weg in die Mitte der geladenen Weinfreunde finden werden.

Ich werde ausgiebig berichten...


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UncleR



Beiträge: 2084

Titel: Finca Allende Teil I
Verfasst am: Mo, 09 Okt 2006, 14:13
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Start nach einem erholsamen Mittagsschläfchen und einer guten Tasse magenfüllender Vollmilch Freitag kurz nach halb sechs in Bad Hamm.

Eben noch den Wilhelm in Hamm-Werries abholen, der sich freundlicherweise als Abendbegleiter zur Verfügung gestellt hat. Dann die kleine Tochter Alina bei der Verwandtschaft in Oesbern bei Menden absetzen damit der Abend "störungsfrei" verlaufen kann und ab über Land und Autobahn ins entlegene Velbert.

Die Zeit ist weit vorgerückt, wir eigentlich schon fast zu spät zur großen Eröffnung um 19.30 Uhr, da erliegen wir noch einem zünftigen unfallbedingten Stau auf der A46 bei Elberfeld. Der Achselschweiß und die kalten Füße nehmen bedenkliche Ausmaße an, doch durch die Stadt am Freitagabend ist auch keine so ganz gut Idee.

Ganz schön abgekämpft und müde kurz nach acht am Zielort angekommen, betreten wir den Verkostungsraum, wo uns das Gastgeber-Team mit Namensschildern und netten Worten willkommenheißt und uns unsere heiß begehrten Plätze an der eingedeckten Weintafel zuweist.

Der erste Eindruck ist schon überwältigend: Reihum sitzen an einem dreieinhalb mal acht Meter großen Tisch die obskursten Weinfreaks, mal solo mal als Pärchen. Eine gediegene Runde vom Adel bis zum Schlottermann, alle in bequemes, nicht zu elegantes Tuch gehüllt und bereits eifrig am Riechen, Nippen und Fachsimpeln.
Am großen Bildschirm für die Weinpräsentation stellt sich uns Nathalie Leboeuf als Sales Managering der Finca Allende vor, eine entzückende junge Dame, die in ganz passablem Englisch den Abend mit Informationen um die Bodega und die teuren Weine umrahmte und mit der ich so manch liebenswerten, interessanten Schwatz noch führen sollte.

Eingedeckt mit diversen großen, feinen Gläsern Marke Spiegelau und etwas Geschirr für erste kleine Häppchen, die am Tisch verteilt werden, messe ich die Vielzahl der heute zu verkostenden Weine, die sich auf großen Holzkisten in der Mitte des übervollen Tisches präsentierten. Große Karaffen (2,5 Liter Volumen) sollten als belüftende Schale für den guten Rotwein dienen, damit jeder der Rebsäfte sich in Bestform präsentieren kann.

Zum (für Wilhelm und mich etwas verspäteten) Start bekommen wir zunächst zwei Weiße ins Glas. Allende Blance 2003 bzw. 2004 - beides Aromenträger, denen man die angemessene Reifezeit im feinen Allier-Eichenbarrique in einer dezenten, weichen Vanillenote anmerkt.
Der goldene 2003er rund und komplex mit einer aromatischen Fülle feines Pfirsichs und reifer Honigaprikosen hat aufgrund des sehr trockenen, heißen Jahrgangs nicht die lebendige und zugängliche säurebetonte Frische des 2004ers, der sich hier als der Bessere präsentiert. Er hat einfach die erfrischende Eleganz und leichtfüßige Komplexität eines noch jungen aber hochwertigen Weißweins aus gutem Hause, der sich in blassem Strohgelb und herrlichen hellen Fruchtnochten hingibt. Die Rebsorten Viura und Malvasia sorgen hier im rechten Mischungsverhältnis für einen süffigen aber dennoch spannenden Einstieg in den Abend.

Der nächste Flight führt uns dann ins Reich des Rotweins, wobei wir hier als allererste deutsche Konsumentengemeinschaft die Gelegenheit bekommen, ein neues Projekt der Finca Allende studieren und probieren zu dürfen.
Neu ist allerdings relativ, da es sich um einen 2001er namens Finca Coronado der D.O. La Mancha aus ausgesuchten Weinbergen dieser Region handelt.
Eine neue Bodega, die von dem Mutterhaus finanziert, protegiert und weintechnisch unterstützt wird. Jüngere Rebstöcke von 60% Tempranillo, 30% Cabernet Sauvignon und 10% Syrah erbrachten hier den Saft für diesen vierzehn Monate in französischer Eiche ausgebauten und in der Flasche gereiften ziegelroten, komplexen Wein.
Leicht käsiger, mineralischer Einstieg im Bukett, der nach kurzer Weile jedoch einer feinen Frucht Platz macht. Am Gaumen dann beerig, etwas Pflaume mit Zimt und Mandel, heftige Tannine, die sicher noch zwei weitere Jahre Reifezeit erforderlich machen, bevor dieser Wein als harmonisch und rund bezeichnet werden kann. Aber das große Potential und die Komplexität sind jetzt schon offensichtlich. Meine Wertung für diesen Abend daher zurückhaltend positiv.

Mit Hochgenuß lassen wir uns nun nach zuvor lediglich trockenen Brothappen zur Geschmacksneutralisierung ein, zwei köstliche schinkenbelegte Weißbrotscheiben mit etwas Manchego-Käse und einer köstlichen Olive munden.

Fortsetzung folgt...


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boris



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Titel: (Kein Titel)
Verfasst am: Di, 10 Okt 2006, 20:27
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Ich harre gespannt der Fortsetzung und erhole mich nur schwer von der ehrfürchtigen Lähmung, die mir die Varianz deine Geschmacksempfindungen mal wieder beschert hat ...

"Am Gaumen dann beerig, etwas Pflaume mit Zimt und Mandel, heftige Tannine" ... is klar ...


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UncleR



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Titel: Finca Allende Teil II
Verfasst am: Do, 12 Okt 2006, 23:09
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Ohne einen Moment der Erholung gehen wir zum ersten großen vertikalen Flight über – die Verkostung des Basis-Weins der Finca Allende.
Zum Ausschank kommen die Jahrgänge 2001 bis 2004, deren spezielle Unterschiede in Witterung, Erntebedingungen und klimatischen Gegebenheiten uns Nathalie genauestens vor Augen führt, auch um besonders herauszustellen, wie Finca Allende als qualitätsorientiertes Unternehmen schwierige Jahrgänge wie 2002 durch strengste Traubenselektion (bis zu 55% Ausschuß!) auszugleichen versucht.

Vor mir stehen also vier große, feine Gläser, für die der Ausdruck Pokal durchaus angemessen wäre.
Reihum schenken Silke, Wolfgang und die Helfer die einzelnen Jahrgänge, welche vorher eine gute Viertelstunde mit reichlich Luft im Dekanter hatten atmen können, den erwartungsvoll dreinblickenden Gästen aus, die sich begierig mit Auge, Nase und Mund die ersten Annäherungsversuche erarbeiten.

Ich wähle für meine Aufzeichnungen eine aufsteigende Folge von reifsten zum jüngsten Allende Tinto.
Zuerst ein abschätzender Blicke der diversen Rottöne, die mir im dämmernden Licht aus den Trinkgefäßen entgegenstrahlen. Volle Töne reifen Rubins, dunkel, rassig, verführerisch. Es ist schon sehr interessant wie vielfältig die Färbung eines Rottons im rechten Licht ausfallen kann.
Diese vier Weine erscheinen alle in der gleichen Farbgebung, doch jeder mit einer eigenen kleinen nuancierten Facette in ein anderes Funkeln abweichend.

Dann lasse ich meine Nase an den Kelchen schnuppern und erlebe auch hier herrliche Vielschichtigkeit, aber mit durchaus verwandtschaftlichen Anbindungen dieser vier Brüder.
Der 2001er ist voll herrlich duftender Frucht, rund und schön gestaltet. Der 2002er weicht vom Bukett ins Pflaumige ab ohne aber an Kontur einzubüßen. 2003 hat neben Cassis und roten Beeren eine ungewöhnliche Note Richtung Bauernhof mit im Programm. Später stellt sich dieser Geruch als verfälschendes Ergebnis einer Flasche mit leichtem Korkfehler heraus, wie Nathalie richtigerweise feststellt. Wir erhalten daher noch einmal reintönig aus einer frisch geöffneten (allerdings nicht dekantierten) neuen Flasche 2003er, die diesen Fehler eindeutig nicht mehr aufweist. Der 2004er ist als frisch auf Flasche gefüllte Faßprobe zu uns gelangt – der Wein wird erst noch gelagert und Ende 2007 auf den Markt kommen. Der aktuell neu erschienene ist der 2003er Jahrgang.

Abschließend der Gaumentest.
Mir sagt der 2001er sofort zu – als „großer“ Jahrgang mit eingetretener Reife ist er einfach der klassisch schöne, elegante Rotwein, der mit feinen und gut eingebundenen Tanninen herrliche Spannungsmomente auf meine Zunge zaubert. Ein feines Stück Wein – aktuell zum Kurs von 16,50 pro Flasche fast schon ein Schnäppchen.
Der 2002er ist da nicht so komplex und harmonisch, bietet aber aufgrund der strikten Auslese bei der Ernte noch dichtere Frucht und eine weichere, feminine Art, die auch im Geschmack deutlich Anklänge von Pflaume in sich birgt.
Der Jahrgang 2003 ist (aus der erneuerten Flasche) wieder große Klasse mit riesiger Komplexität, voll auf den Spuren des 2001, aber noch jung, nicht komplett ausgereift, vielleicht etwas ungestüm.
2004 weicht aufgrund der fehlenden Flaschenreife deutlich ab, hat aber eine derart charmante Frische in der Frucht, dass er für Wilhelm der Beste des Flights zu sein scheint. Ich stimme insofern zu, als dass dieser Wein eine ebenfalls große Zukunft haben wird. Momentan hat aber für mich der 2001er klar die Schnauze vorn und bekommt ein eindeutiges Doppelplus mit auf die Reise in den einen oder anderen Weinkeller. Wie schön, dass ich mir rechtzeitig von diesem Tropfen ein paar Bestände (darunter auch drei dicke Magnum-Flaschen) gesichert habe. Die Freude wird mich in den nächsten Jahren zu passender Gelegenheit erneut aufsuchen...


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boris



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Titel: Re: Finca Allende Teil II
Verfasst am: Mo, 16 Okt 2006, 12:28
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UncleR @ Do, 12 Okt 2006, 23:09 gab folgendes von sich:
ein paar Bestände (darunter auch drei dicke Magnum-Flaschen)

Das stelle ich mir gerade bildlich vor: leicht wankend und mit einem frischen Rot um die Nase, eine Sackkarre mit drei fetten Magnum-Geschützen vor sich her schiebend, verlässt er den Weinkeller und freut sich auf die Fortsetzung ... big grin

Kleine Fachfrage: warum "Flight" ? Wikipedia schweigt sich zu dem Begriff (in Bezug auf Wein) leider aus ...


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UncleR



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Titel: (Kein Titel)
Verfasst am: Mo, 16 Okt 2006, 18:08
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Das mit den Magnums (1,5 Liter-Format) hat schon seinen Reiz.
In die werden meist die Besten der Weinfässer eines Jahrgangs eingetütet.
Außerdem reift der Wein in diesen Bottles besonders fein aus.

Ein französischer Chateaus-Besitzer hat sinnierend festgestellt, dass eine Magnumflasche guten Rotweins genau das Richtige sei für einen Abend, den man allein daheim verbringt. Vorausgesetzt man beginnt mit einer Pulle Champus und endet mit eeein paar guten Gläsern Sauternes (franz. Süßwein aus Bordeaux)... Wink

Zum Thema Flight kann ich auch nicht viel sagen - kenn ich auch nur als sog. "Fach-Jargon".
Bezeichnet in dem aufgezeigten Fall die direkte parallele und vergleichende Verkostung einiger Weine, wie hier die Vertikale der Allende Tintos 2001-2004.

Der nächste Flight war für uns dann der mit den höllisch guten Clavarios 2001-2004. Aaber dazu an dieser Stelle mehr zu einem späteren Zeitpunkt...


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boris



Beiträge: 10136

Titel: (Kein Titel)
Verfasst am: Mo, 16 Okt 2006, 20:48
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UncleR @ Mo, 16 Okt 2006, 18:08 gab folgendes von sich:
Zum Thema Flight kann ich auch nicht viel sagen - kenn ich auch nur als sog. "Fach-Jargon".

Rightyright ... hatte mich gewundert, daß es ein englischer Begriff ist, wo ich englischsprachige Länder jetzt nicht unbedingt als die "Wiege des Weins" empfunden hätte ...

Ok, nochmal richtig nachgesucht, dann gibts auch die Erklärung bei Wikipedia, worum es sich handelt - warum das so heißt, bleibt allerdings weiter im Dunkeln:
http://de.wikipedia.org/wiki/Flight_(Wein) (shit, das Forum hat was gegen die Klammern, das "(Wein)" gehört mit zur Adresse)


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Dr. Erdbär



Beiträge: 2140

Titel: (Kein Titel)
Verfasst am: Mo, 16 Okt 2006, 22:54
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UncleR @ Mo, 16 Okt 2006, 18:08 gab folgendes von sich:


Ein französischer Chateaus-Besitzer hat sinnierend festgestellt, dass eine Magnumflasche guten Rotweins genau das Richtige sei für einen Abend, den man allein daheim verbringt.


So, so, also kein Alki-Treff.

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Jim Jupiter





Titel: (Kein Titel)
Verfasst am: Mo, 16 Okt 2006, 23:22
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das ist doch ein aperitif!
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UncleR



Beiträge: 2084

Titel: (Kein Titel)
Verfasst am: Di, 17 Okt 2006, 14:10
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Wir treffen uns bei unserer Verkostung in Hamm ja auch nicht auf dem Chateaux, sondern bloß vor dem Burghügel bzw. am Springbrunnen im Kurpark.
Also wäre das kein Alki-Club

Das mit der bestmögliche, magnumorientierten Abendversorgung für (Alki)-Singles hat schon seine Berechtigung. Dann hat man ausreichend Treibstoff, um die Stratosphäre zu durchbrechen...
Das klingt dann schon eher nach ESA Alkiane Rolling Eyes


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UncleR



Beiträge: 2084

Titel: Allende-Verkostung Teil III
Verfasst am: So, 22 Okt 2006, 23:06
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Schon gut angeheizt von den alkoholischen Köstlichkeiten genieße ich nach einem kurzen Pausenschnack mit Weinfreund Jürgen aus Wasweissichdennwo die erfrischende Kühle der Nacht und einen umfassenden Rundblick durch Silkes Weinauslagen, die hier vor Ort gleiche mehrere große Räume füllend manchen Trinker in den Wahn treiben könnten.

Mit einem um etliche Prozente klareren Kopf setze ich mich wieder an meinen angestammten Platz neben Freund Wilhelm und der reizenden Nathalie und bereite mich innerlich auf den nächsten GONG vor.
Diesmal geht es richtig in die Vollen – CALVARIO – ein Einzellagenwein aus der Rioja direkt von einem alten Kreuzigungs-Grabhügel aus Vorzeiten. Daher auch der ungewöhnliche Name.

Was da nun ausgiebig dekantiert aus den Jahrgängen 2001 bis 2004 in unsere schönen Gläser fließt ist allerdings alles andere als totengleich. Jeder Wein für sich rinnt in fabulösen Purpurtönen in der Viskosität von frisch vergossenem Blut. Dem ersten Eindruck nach scheinen diese Calvarios auch nicht aus Reben sondern aus Granit und Felspat gekeltert worden zu sein, derart schroff und mineralisch wirken diese hochedlen Tropfen auf Gaumen und Nase. Eine tiefe, verborgene und feinsüße Note von delikater roter Frucht versteckt sich in jedem Kern dieser überkomplexen, noch sehr verschlossenen Rebsaftkonzentrate.
Zu den einzelnen Jahren könnte man viel Worte verlieren ohne dem jeweiligen Charakter in umfassender Weise gerecht zu werden. Daher hier nur ein paar grundlegende Eindrücke und Hinweise.

Calvario 2001 ist sicherlich derjenige mit dem größten Potential und der vielfältigsten Komplexität in den verschiedenen Noten von heißen Flußsteinen, Schiefer, feinen Hölzern und zerstossenem Fruchtmark. Sein Ausdruck ist einfach phänomenal und jeder Versuch der Niederschrift ist wie der klägliche Vorsatz einen echten herrlich roten Sonnenuntergang in einfache Lettern zu fassen. Trotzdem ist er noch nicht auf der Höhe der Ausreife und benötigt sicherlich noch zwei, drei Jahre bis er die ganze Größe seiner Frucht und herrlichen Aromenvielfalt vollends preisgeben wird.

Calvario 2002 ist im Grunde viel kerniger, obwohl das Jahr nicht so großartig war wie 2001. Hier spürt man auch deutlich die noch bestehende Unreife der Komposition, die nach einiger Zeit der Kellerlagerung sicherlich durch viel Harmonie und Finesse ersetzt werden wird. Trotzdem wirkt dieser Calvario im Vergleich zu den anderen bullig, fest und etwas unnahbar.

Der 2003er hingegeben ist aktuell voll auf der Höhe einer großen Frühform und bietet dem Genießer ein großer Spektrum an vielschichtigen Aromen in feinem Fruchtarrangement mit vielen Spitzen genialer mineralischer Anklänge. Ein Wein der fast jedes Essen blaß dastehen läßt und einfach nur als intellektueller Nektar zum Ersatz einer teuren kubanischen Zigarre dienen sollte.

Der Calvario 2004 kommt an den vorherigen Jahrgang jetzt natürlich noch nicht dran, dafür ist er noch viel zu jung und unausgereift, aber auch hier präsentieren sich immense Tanninkonzentration und überbordende Frucht in dichter Verschlungenheit – sollte sich dies in den nächsten Jahren voll entfesseln wird uns ein fast allmächtiger Rausch der Sinne geboten, sofern von diesem leider echt teuren Tropfen überhaupt etwas den Weg in den Weinkeller gefunden hat. Einen ersten Ausblick eröffnete dieser pelzige Koloss nach einer guten Dreiviertelstunde im großen, offenen Weinschwenker nach vorheriger Dekantierung von gut der gleichen Zeitspanne.

Nur zu – wer außergewöhnlichen Wein kosten will, ist beim Calvario von Finca Allende exakt an der richtigen Adresse.


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boris



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Titel: (Kein Titel)
Verfasst am: Mo, 23 Okt 2006, 23:06
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"Grundlegende Eindrücke" ist gut ... das ist von einem Abend schon ein Vielfaches von dem, was ich über ganze Testjahre von mir geben könnte ... wahrscheinlich ... aber apropos "Kreuzigungs-Grabhügel":
Als wir vor zwei Jahren in Portugal waren, gab es an einem Ort sowas in der Art ... keine Ahnung, wie der Wein oder der Ort hieß, aber der Wein wurde in Fässern jahrelang vergraben ... angeblich schmeckt man das auch raus, so daß die Bezeichnung irgendwas wie "Leichenwein" (oder so) war ...
Wie auch immer, wir haben den Tropfen nicht probiert.


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Titel: (Kein Titel)
Verfasst am: Di, 24 Okt 2006, 13:36
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Zitat:
der Wein wurde in Fässern jahrelang vergraben ... angeblich schmeckt man das auch raus, so daß die Bezeichnung irgendwas wie "Leichenwein" (oder so) war ...


Die Idee klingt auch irgendwie recht makaber.

Entweder man findet beim Ausbuddeln noch ein paar Überreste der lieben Vorfahren oder schmeckt sie hinterher eindeutig in der Friedhofs-Cuvee heraus "Mmhh - erinnert mich an Omas Schweissfüße..."

Un die "Fässer" sind dann wohl stilgerecht auch eher rechteckig mit Griffen dran und Samtauskleidung...buuaahhh Rolling Eyes


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boris



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Titel: (Kein Titel)
Verfasst am: Di, 24 Okt 2006, 13:48
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Ich gebe zu, das hört sich alles ziemlich übel an ... ist es wohl auch big grin
Da ich nicht mehr wußte, worum es genau ging, habe ich gerade mal recherchiert und siehe da: der Wein wird nicht in Fässern vergraben sondern in Flaschen ! (Heißt auch nicht "Leichen-" sondern "Totenwein" ... was die Sache nicht unbedingt besser macht, denn in meinem Portugal-Handbuch von damals stand drin, daß man das "Muffige" wohl ein wenig herausschmeckt.)

Das ganze passiert in der Region um die Stadt "Chaves", im Norden von Portugal, hier mehr Info:

"Boticas: Der 850-Einwohner-Ort liegt 23 km westlich von Chaves und ist ebenfalls
berühmt für seine guten, manchmal heilenden Tropfen – hier allerdings in Form
eines Rebensaftes namens Vinho dos Mortos, „Totenwein“. Der ungewöhnliche Name
rührt daher, dass er nicht in der Kelterei, sondern in Flaschen gärt, die für zwei
Jahre in die Erde eingegraben werden – eine zufällige Folge der napoleonischen Besatzungszeit:
Bevor die französischen Soldaten, denen der Ruf von Weingenießern
vorauseilte, den kleinen Ort erreichten, versteckten die Bauern ihre Flaschen unter
der Erde. Als sie sie nach dem Abzug der Franzosen ausgruben, glaubten sie, eine
Qualitätsverbesserung feststellen zu können. Und davon sind sie bis heute überzeugt.
In von allen Erdkrumen gereinigten Flaschen ist der edle Tropfen für ca. 9 € im
Turismo erhältlich.
"


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Titel: Allende-Verkostung Teil IV
Verfasst am: Di, 24 Okt 2006, 22:57
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Die kleinen zwischenzeitlich aufgegabelten Leckereien aus Käse, Schinken und Ei eröffnen dem bisweilen schon gut verwöhnten Gaumen weitere interessante Genußvariationen – immer gefolgt vom prüfenden Nippen an der einen und anderen flüssigen, roten Köstlichkeit. Ich will hier nicht den multiplen Geschmacksorgasmus ausrufen, aber es gibt schon ein paar hochfeine Genüße, die hier nicht unerwähnt bleiben sollten.

So zum Beispiel beim Blick in die lokale Küche des Hauses, wo ein eifriger Andre Helmes von uns versorgt mit einem guten Tropfen aus der Verkostungsreihe flink um die Pfannen tanzt, Häppchen dekoriert und uns als zwischenzeitlichen Gaumenschmeichler eingelegte Pulpa (Tintenfisch) in einer herrlich leichten Tomaten-Olivenöl-Tunke zuführt. Mit dem frischen Brot und einem keineswegs dezenten Schluck des herrlichen Calvario ein buchstäbliches Gedicht. Keine fischige Radiergummi-Komposition, sondern vollendete Darreichung feinsten Seafoods der Extraklasse - ein Lob, das sich im weiteren Verlauf des Abends noch in mannigfacher Weise wiederfinden lassen sollte.

Nach einigem Scherzen (ja die Laune, steigt bekanntlich mit dem Pegel!), widmen sich die Gäste angeführt von den doch sehr um wohlige Atmosphäre bemühten Gastgebern nun endlich dem Höhepunkt der Allende-Verkostung: AURUS.

Dieser sonnenverwöhnte Selektionswein der obersten Spitzenklasse wird aus dem ältesten und edelsten Lesegut der Finca Allende erzeugt, das nach manueller und höchst sorgfältiger Auslese vom Weinmacher persönlich im Fuder eingemaischt, abgestimmt und vergoren wird. Dabei erfolgt ein mehrfaches Umpumpen der Maische, Säuberung von allem Unguten und Vorbereitung auf die exakt zweijährige Ausreife in kleinen, speziell auf der Flamme getoasteten Holzbarriques aus feinster und immens teurer französischer Allier-Eiche.
Mit großer Sorgfalt und unter ständiger Beobachtung erwächst so aus dem Rebsaft ein beinahe vollendeter Wein, der letztendlich unfiltriert und ungeschönt (ungeklärt) zur weiteren Ausreife auf elegante Flaschen gezogen wird, um nach Jahren den Gaumen der betuchten und hoffentlich auch kundigen Weingenießer zu erfreuen.

Unserer erwartungsfrohen Runden wird diese Freude gleich in vierfacher Weise zuteil – in den Jahrgängen 1997 und 2000 bis 2002. Nach vorsichtigem und ausgiebigem Dekantieren erhalten sie dann alle ihren wohldosierten Schluck vom Allerfeinsten, was der Abend an Wein so zu bieten hat.

Still und beinahe angestrengt nähert sich ein jeder seinem bevorzugten Glas aus den bereitstehenden vier Jahrgängen, prüft und schätzt mit wohldosiertem Blick im Halbdunkel des vor Vorfreude vibrierenden Raumes den ersten Kandidaten vorsichtig ein bevor er ihm Nase und Gaumen öffnend hingibt.

Sanft rinnt der Wein in feinem Rot, leuchtend wie edler Rubin in Reigen von wohlriechendem Öl gebettet über den Glasrand und entfacht sein sinnliches Feuer an den Gestaden der Lust unserer Lippen.
Orgiastische Opulenz und verschwenderische Fülle, Noten der feinen Gebirgskräuter, die nur selten unsere Zungen kreuzen, strahlend schöne Frucht der von Beeren dicht besetzten Sträucher im frühen Licht eines nebligen Spätsommermorgens, kühl, lebendig, sinnlich, frisch und zugleich voll edler aromatischer Anmut.

Der Aurus ist kein alkohollastiger, auf Konzentration und Dichte ausgelegter Weinkoloss, sondern die filigrane Schöpfung eines Weinmachers, der sich zum Ziel gesetzt hat, einen perfekt ausgewogenen, in Harmonie vergehenden Wein zu machen, der seinesgleichen suchen muss.
Dies ist ihm zumindest was die Jahrgänge 2000 und 2001 angeht wohl auch gelungen.
Ein perfider Streich des Schicksals, dass auch hier die Gläser mit dem kostbaren Nektar, allemal zu schnell geleert und der Hauch der Vollkommenheit an uns vorbeigezogen ist.

Über Aurus 1997 läßt sich aufgrund des kleinen, in ganz Spanien bescheiden ausgefallenen Jahrgangs, nicht allzuviel sagen. Neben den holden, jüngeren Grazien wirkt 1997 halt wie die etwas biedere, unverheiratete älteste Schwester, die sich nach außen hin viel zu vernünftig und bescheiden gibt.
Die edle Abstammung und die grundlegende Qualität möge bitte keiner in Abrede stellen – dieser Wein hätte jeder andere Rioja-Verkostung auf hohem Niveau unbeschadet überstanden – aber hier wirkte dieses Mauerblümchen etwas verloren und blass.

Freuen dürfen wir uns auf den 2002er Jahrgang, wenn er sich soweit entschlackt hat, dass der Babyspeck und die noch etwas festen Tannine weichen. Dann erlebt die Jüngste aus dem Hause Aurus ihre große Stunde und wird vielleicht den grazilen großen Schwestern mitunter ein wenig die Schau stehlen können. Sie ist halt die femininste Ausführung dieser Rioja-Superklasse, die uns hier zur Beurteilung vorgelegt wurde.

Einen sauberen Abschluß dieser fulminanten und ausgiebigen Bewertung hinzubekommen ist mir aufgrund alkoholisierter Verblendung, Sinnestrunkenheit und ausufernder Genusssucht leider im Grunde gar nicht mehr möglich. Meine Frau wartet seit geschlagenen drei Stunden im Auto vor dem Verkostungsraum, Wilhelm schweift sinnierend in von der Schwere gelösten Gedanken, die nächtlichen Augenblicke des Völlens rauschen wie ein vorgespulter Film an meinem geistigen Auge vorbei, während sich mein ausgezehrter Leib an den delikaten und wohlfeil angerichteten Köstlichkeiten des nachmitternächtlichen Buffets ergeht, gebratene Riesengarnelen, diverse duftig lockere Tortillas und würzige Fleischspieße in sich hineinschlingt und mit einem großzügigen Schluck des großartigen Allende Tinto 2001 hinunterspült.

Eindringlich ermahnende Worte meiner besseren Hälfte zwingen mich vom Laben abzulassen und meinem Rausch der Wohlgenüsse im noch ansprechbaren und einigermaßen gesellschaftsfähigem Zustand hier und jetzt ein Ende zu setzen, wenngleich die Nachwirkungen mich noch über die lange Heimfahrt durchs regennasse Dunkel bis hinein in die sanften Träume der Nachtruhe begleiten werden...


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