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Weltjugendtag 2005 in Köln
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jrose



Beiträge: 2601

Titel: Weltjugendtag 2005 in Köln
Verfasst am: Fr, 05 Aug 2005, 10:39
Beitrag
Antworten mit Zitat

"Vom 16. bis 21. August 2005 trifft sich die Jugend der Welt in Köln."




Schlimm genug und höchste Zeit, einen kleinen Blick auf den Wahnsinn mit Methode zu werfen, der die Pilger wie eine wahrhaft biblische Heuschreckenplage über die Domstadt ergießen wird.

Zunächst einmal trifft sich natürlich nicht die "Jugend der Welt" in Köln, sondern primär mal die katholische Jugend der Welt. Auch wenn vollmündig verkündet wird: "Der Weltjugendtag ist dabei nicht nur etwas für Katholiken. Er ist offen für alle, die daran teilnehmen möchten.", so wird das Motto "Wir sind gekommen, um IHN anzubeten" einen ungläubigen Heiden (= Nicht-Christen, möge seine Seele in der Hölle schmoren) doch eher befremden.
Es ist daher kaum anzunehmen, daß Jugendliche, die einer fundamentalistischen Sekte im tiefen Afghanistan angehören, sich auf den Weg nach Köln machen - obwohl: unerschrockene Selbstmordattentäter sind bei Großveranstaltungen ja eigentlich immer gefragt.

Abgesehen von der großzügigen Einladung an Andersgläubige ist die Planung und Durchführung des Massenspektakels natürlich in guter deutscher Tradition reingeistig zu halten. Einige Vollprofis, die zuviel Zeit haben (Link) machen sich sogar schon Sorgen darüber, daß die heilige Kommunion, der "Leib Christi", bei der Austeilung nicht ordnungsgemäß überreicht werden könnte. Selbst das Schützen eines Austeilers mit einem Schirm seitens eines "Unwürdigen" scheint schon nicht mehr christlich-korrekt, denn "Der göttlichen Majestät ist aber niemals das Minderwertigere zuzumuten."
Soviel zu "offen für alle". Hauptsache, man stört uns nicht.



Aber was gibts zu sehen beim Weltjugendtag, wo muß man hin, was darf man nicht verpassen?

Das Highlight der ganzen Veranstaltung ist natürlich uns Ratzi, das neugewählte Oberhaupt der katholischen Kirche, der vom 18. bis 21.8. dem WJT als seine erste offizielle Auslandsreise beiwohnen wird. Wer sich für das Programm des Papstes interessiert, wissen will, wann seine Fußpflegerin den Hobel ansetzt und wie oft ein heiliger Stuhlgang geplant ist, kann sich hier sogar die komplette Liste reinziehen (pdf).

Es finden sich so minutiöse Highlights wie:
"08.45 Uhr Fahrt im Wagen vom Erzbischöflichen Haus zum Marienfeld
09.15 Uhr Ankunft auf dem Marienfeld"

Leider sind die Reiserouten nicht mit abgedruckt, so daß man sich etwas einfallen lassen muß, um herauszufinden, an welcher Stelle zu welcher Zeit man am besten seinen nackten Arsch schwenkt, um höchste mediale und päpstliche Aufmerksamkeit zu erfahren.


Was uns zum Platz des Hauptgeschehens bringt, dem Marienfeld (s. rechts), einem Brachland bei Frechen, das zur Abschlußkundgebung mit MC Joseph hergerichtet wird.
Und das im wahrsten Sinne des Wortes: der Altarhügel (auch "Papsthügel" genannt) mit der Bühne für den Popen wurde extra aufgeschüttet und bei seiner Einweihung "Berg der Nationen" getauft (kirchliche Delegierte hatten Anfang 2005 Erde aus 70 Ländern angeschleppt, um die Propaganda-Plattform aus dem Boden zu stampfen). Respekt. Nur weil ein Papst draufsteht, ist ein Dreckhaufen von ein paar satten Höhenmetern schon ein Berg. Das grenzt ja schon fast an ein Wunder.

Aber auch weltliche Belange werden wundersamerweise nicht vernachlässigt, denn nicht nur die Pilger wissen: "Wo der Papst auftaucht, bricht schon mal das Handynetz zusammen." (Link)
Daher haben sich die Mobilfunkbetreiber wahrhaft christlich und sehr selbstlos zusammengeschlossen und auf ihre Kosten (die sie um ein Vielfaches wieder einstreichen werden) ein extra Funknetz errichtet. Und dabei werden keine halben Sachen gemacht: auf vier Quadratkilometern werden 14 Masten erigiert und 10 Kilometer Kabel verlegt - eine Funk-Infrastruktur, wie sie für ganz Köln reichen würde, aber schließlich werden zum Abschluss-Rave ja auch eine Million Leute erwartet, da muß man ordentlich Sendeleistung auffahren, um den ohnehin schon weltfremden Katholiken noch zusätzlich die Birne weichkochen zu können.
Kein Handy? Auch kein Thema: 120 Telefonzellen werden zusätzlich aus dem heiligen Boden gestampft ... kostenlose Benutzung? Naja, so groß ist die Nächstenliebe dann wohl doch nicht.


Was eine geschmeidige Überleitung zum nächsten Thema bietet. Sehr nächstenlieb gibt sich das auswärtige Amt mit Blick auf den WJT. Es soll nämlich eine vereinfachte Visa-Vergabe stattfinden. Naja, "vereinfacht" ist vielleicht ein wenig vereinfacht, denn auch wenn das Amt vereinfachte Formalitäten "zugesteht" (Link), wird natürlich jeder Einreisende wie sonst auch geprüft, zusätzlich muß er sich für den WJT angemeldet haben, und das Visum gilt nur für die Dauer des WJT, mit ein wenig Bleiben oder sogar Weiterpilgern ist es dann also nichts.
Wo kämen wir denn auch sonst hin? Hauptsache, es werden reichlich Devisen eingeschleppt, diese in kürzester Zeit umgesetzt und dann raus mit den Nervensägen, beten können die auch zu Hause! (Ein Schelm, wer an Ausländerfeindlichkeit denkt, die bleibt Gruppierungen wie "pro Köln" - denen ein Beamter in geistiger Umnachtung den "e.V."-Status zugestanden haben muss - vorbehalten, die regelmäßig gegen Moscheenbau in Köln polemisiert oder anhand von Migrationsberichten von "alarmierenden Ausländerzahlen" spricht.)
Dafür, daß zusätzlich noch die ortsansässigen Bischöfe der Einreisenden bestätigen müssen (so sie denn wollen - in Marocco war dem nicht so, also auch keine Einreise), daß die Pilger nur zum WJT einreisen und nachher auch wieder ausreisen, kann natürlich das auswärtige Amt nichts.

Und noch etwas zum Thema Nächstenliebe: in streng katholischer Tradition ist diese natürlich nicht körperlich gemeint, daher haben es die Organisatoren auch tunlichst unterlassen, dem "Pilger-Rucksack" (rechts im Bild), den jeder angemeldete Pilger (am 20.7. waren es bereits 375 Tsd.) kostenlos aufs Auge gedrückt bekommt, neben einem kompostierbaren Essbesteck und einem häßlichen Halstuch mit Logo (wahrscheinlich um Heckenschützen die Auswahl zu erleichtern), etwas beizufügen, was sonst bei jeder Großveranstaltung Pflicht im Gepäck ist: Kondome!

Kondome? Nein, da spielt die katholische Kirche nicht mit!
Wo die stocksteifen Katholiken aber sehr wohl mitspielen, sind längere Öffnungszeiten der Geschäfte (Link): Jaha, Donnerstag und Freitag können alle Geschäftsleute ihre Kaufhallen bis 22 Uhr den finanzstarken Pilgern zur Verfügung stellen, am Samstag ist es für alle "Geschäfte mit Waren für den täglichen Bedarf" erlaubt, durchgehend zu öffnen, und - jetzt kommts - diese Regelung gilt selbst am heiligen Sonntag, ohne daß die sonst so rigorosen Weltfremden eingeschritten wären.
Natürlich gilt diese Ausnahme nur, damit "alle Gäste ausreichend versorgt werden können" ... shoppen am heiligen Sonntag? Kein Thema. Verantwortungsvoll ficken? Keine Chance!
Genau deswegen mache ich auch nicht mit bei der Aktion "Herberge gesucht". Wenn ich nicht erwarten kann, daß junge, willige Sexbomben bei mir einziehen, die ihre eigenen Kondome mitbringen und mir für die kostenlose Unterkunft zu extremem Dank verpflichtet sind, bleibe ich lieber bei Handbetrieb, dann muß ich auch nicht befürchten, daß mein schimmeliger Keller, den ich sonst nur zu gerne einem Rudel sich bis in Ekstase "kumbaya"-singenden Pilgern zur Verfügung gestellt hätte, der Ort von unsexuellem und christlich-korrektem Händchenhalten wird.


Und noch mehr Notizen des laufenden Wahnsinns am Rande:

  • Im Deutzer Bahnhof werden schon jetzt Schlüsselanhänger mit dem Abbild des Papstes vertickt (Kostenpunkt: fünf fromme Euros), die neben der Palette der Anhänger mit den Logos der Bundesligavereine in einer Vitrine ihr Dasein fristen, dem Inhaber der Auslage aber bestimmt schon bald aus den gierigen Händen gerissen werden.
  • Im WJT-Kerzenshop gibt es im Internet Kerzen zu kaufen, die nicht einfach nur brennen, sondern auch eine Message rüberbringen: "Gemeinsam die Vision von einer besseren Welt leben. Die Kerzen des Weltjugendtags sind ein Symbol dafür." Für diese Vision werden auch visionäre Preise fällig: eine einfache Stumpenkerze im Plastikbecher, die man bei Rudi's Resterampe im Zehnerpack für einen lausigen Euro nachgeworfen bekommt, schlägt hier - weil mit dem WJT-Logo verziert - mit 2,20 Euro zu Buche, zzgl. Versandkosten, versteht sich.
  • Die Poller Wiesen wurden geräumt. Nicht, weil der Papst dort volksnah sein Zelt aufschlagen wird, sondern weil Pilger dort untergebracht werden. "2.232 Sprengkörper, 32 Bomben, 31 Brandbomben, 15 Rohrwaffengeschosse und 73 Kilo Munitionsteile aus dem Zweiten Weltkrieg hat der Kampfmittelräumdienst dort in den vergangenen sieben Monaten beseitigt." (Link). Für einen Haufen frömmelnder Glaubenstouristen wird das Rheinufer entschärft, bei der Normalbevölkerung, die an den Wochenenden ihre Grills auf der Schäl Sick aufstellt, kann man ruhig mal ein wenig Kollateralschaden einkalkulieren.
  • Weiterhin gibt es eine "ChristPopRock"-CD mit einem Stapel Songs, die - so der Vertrieb - "sowohl radio- als auch gottesdiensttauglich" sind und am besten auch genau da verheizt werden (genau wie der am WJT auftretende Cliff Richard), damit man als Nicht-Pilger davon verschont bleibt.



Soweit ein erster Überblick, der WDR weiß noch oberlehrerhaft zu vermelden: "Köln war schon lange vor dem Weltjugendtag beliebtes Pilgerziel." (Link)
Natürlich, vor allem zur Karnevalszeit - und auch das überlebt die Stadt jedes Jahr aufs neue, es besteht also Hoffnung.

Ansonsten sehen wir uns am WJT. Ihr erkennt mich an meiner selbstgebastelten Bischofsmütze aus alten Klorollen (importiert aus islamischen Ländern), aufzufinden an meinem weihrauch-umnebelten Stand mit Weihwasser, frisch aus dem Rhein geschöpft, für fünf katholische Euro je Plastikbecher (2 Euro Becherpfand). Zu jeder vollen Stunde gibts zünftige Hostienschändungen.

J.Rose


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jrose



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Titel: (Kein Titel)
Verfasst am: Mo, 08 Aug 2005, 23:06
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Die Katholiken können übrigens sehr geschmeidig mit Kritik umgehen, und zwar je höher gestellt, desto besser - man lese einen Ausschnitt aus einem Interview mit dem Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner im General Anzeiger (vollständiger Text hier)


Zitat:
GA: Erwarten Sie denn auch kritische Stimmen gegenüber der Kirche?

Meisner: Sie müssen wissen, es ist kein Seniorentreffen, sondern ein Jugendtreffen. Da braucht man die Drewermanns und Küngs und die von vorgestern nicht. Für die ist hier nichts vorgesehen, weil keinen Jugendlichen der alte Schmarrn interessiert, den die dauernd verzapfen. Aber es geht viel kritischer zu, nämlich in der Beichte. Und da bin ich kritisch mir gegenüber, nicht anderen gegenüber.

Im Klartext: Kritik an anderen (also an der katholischen Kirche) ist nicht angesagt, da braucht man garnicht so blöd zu fragen! Zuhören, Klappe halten, folgen ... fuehrer
Wieso gibt die Pfeife überhaupt Interviews?


Genauso platt gehts weiter:

Zitat:
GA: Es ist also durchaus erwünscht, dass Jugendliche Kritik äußern?

Meisner: Natürlich und zwar vor Gott über sich selbst, über ihren Lebensstil.

GA: Ist das nicht ein bisschen lebensfremd?

Prinzipiell die richtige Frage an dieser Stelle, aber - wer hätte das gedacht? - es gibt statt einer Antwort nur mehr hohles Gefasel.
Thema verfehlt, Setzen, Sechs!


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jrose



Beiträge: 2601

Titel: (Kein Titel)
Verfasst am: So, 14 Aug 2005, 20:44
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bitte lesen Sie hier bei Teil II weiter ...

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Weltjugendtag





Titel: (Kein Titel)
Verfasst am: Di, 16 Aug 2005, 13:18
Beitrag
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Zitat:
es gibt statt einer Antwort nur mehr hohles Gefasel.
Thema verfehlt, Setzen, Sechs!


keineswegs!
Meisner hat recht. 1+, prima!
Die meisten Jugendlichen, die wir dazu interviewt haben und die sich selber auf http://www.weisse-rose.info/ zu Wort melden, sehen das ebenso! Kritik an Hinterfragen von sich selbst, nämlich teilweise oversexeder Jugendszenen z. B.

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jrose



Beiträge: 2601

Titel: (Kein Titel)
Verfasst am: Di, 16 Aug 2005, 13:27
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Weltjugendtag gab folgendes von sich:
Die meisten Jugendlichen, die wir dazu interviewt haben und die sich selber auf XY zu Wort melden, sehen das ebenso!

Oh Mann, noch mehr so Statistik-Spezialisten.

Die Leute, die ihr aus eurem Umfeld interviewt und die sich selber auf eurer Seite zu Wort melden, sind garantiert eine repräsentative Stichprobe! Duh

Wenn ich in einer islamistischen Terrorgruppe eine Umfrage nach der Beliebtheit des Papstes starte, was glaubt ihr wohl, wie da das Ergebnis aussieht?


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jrose



Beiträge: 2601

Titel: Re: Weltjugendtag 2005 in Köln
Verfasst am: So, 04 Sep 2011, 23:11
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jrose @ Fr, 05 Aug 2005, 10:39 gab folgendes von sich:
der Altarhügel (auch "Papsthügel" genannt) mit der Bühne für den Popen wurde extra aufgeschüttet und bei seiner Einweihung "Berg der Nationen" getauft

Erinnert sich noch jemand? Das Ding steht noch, war letztens in der Nähe, ansonsten eine ganz nette Landschaft, man merkt weder, das der Pope hier war (war verzeihlich ist), noch dass hier mal Dörfer gestanden haben (was schade ist), ist das Marienfeld doch ein renaturiertes Tagebaugebiet.



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